Folsäure kann das Gedächtnis von Rentnern verjüngen

7. Februar 2007

London. DPA/baz. Die regelmässige Einnahme von Folsäure kann bei älteren Menschen die Hirnleistung verbessern. Das haben niederländische Wissenschaftler in einer dreijährigen Studie mit mehr als 800 Probanden belegt.

Versuchsteilnehmer, die zusätzliche Folsäure bekamen, erinnerten sich besser und konnten Informationen schneller verarbeiten, wie Jane Durga von der niederländischen Universität Wageningen und Kollegen im britischen Medizinjournal «The Lancet» berichten.
Mit zunehmendem Alter nimmt die Leistung des Gehirns ab. Schon länger vermuten Forscher, das niedrige Folsäurewerte gekoppelt mit einem Anstieg der schädlichen Aminosäure Homocystein im Blut zu sinkender Gehirnleistung führen.
Zudem könnte ein erhöhter Homocysteingehalt zu Demenz und auch Alzheimer führen. Folsäure senkt die Homcystein-Konzentration.

Zwei bis fünf Jahre jünger
Die Forscher um Durga untersuchten die kognitiven Fähigkeiten von 818 Männern und Frauen mit erhöhten Homocysteinwerten im Alter von 50 bis 75 Jahren. Die Probanden wurden in zwei Gruppen eingeteilt, wobei die erste Gruppe drei Jahre lang 800 Mikrogramm Folsäure täglich einnahm, während die andere Gruppe ein Placebo bekam.
In der Folsäuregruppe sank der Homocysteinspiegel. Bei verschiedenen Tests zur Wahrnehmung und Reaktionsgeschwindigkeit schnitten diese Probanden auch besser ab als jene der Placebogruppe. Ihre Leistungen waren im Schnitt mit denen von zwei bis fünf Jahre jüngeren Menschen vergleichbar.

Deutliche Unterversorgung
Gemäss dem 4. Schweizerischen Ernährungsbericht nimmt ein Grossteil der Schweizerinnen und Schweizer zu wenig Folsäure über die Nahrung auf. Den Angaben zufolge beträgt die Folsäureversorgung nur etwa 70 Prozent des Tagesbedarfs von 400 Mikrogramm.
Vollkornprodukte, Leber und Gemüse wie Spinat und Broccoli enthalten dieses Vitamin aus dem B-Komplex. Ein Mangel kann zu Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und in der Schwangerschaft beim Embryo zu Fehlbildungen führen.
In Ländern wie Kanada und den USA wird Folsäure schon länger mehlhaltigen Nahrungsmitteln beigemischt. Dadurch haben typische Krankheitsbilder, insbesondere bei Neugeborenen, deutlich abgenommen.
Quelle: Baseler Zeitung

Musikunterricht fördert die Hirnentwicklung

6. Februar 2007

Nerven spezialisieren sich auf Verarbeitung von Tönen

Bereits ein Jahr Instrumentalunterricht hinterlässt deutlich messbare Spuren im Gehirn von Kindern. Diesen Prozess konnten Wissenschaftler der University of Toronto in Kanada nun erstmals mithilfe der sogenannten Magnet-Enzephalographie (MEG) verfolgen. Die Aufnahmen belegen, dass sich die Art und Weise, in der das Gehirn Töne verarbeitet, bei musikalisch geschulten Kindern anders entwickelt als bei Kindern, die kein Musikinstrument erlernen. Wie die Forscher um Takako Fujioka in der Fachzeitschrift Brain berichten, machen die kleinen Musikanten darüber hinaus auch bei Gedächtnistests deutlich größere Fortschritte.
Fujioka und sein Team hatten insgesamt 12 Kinder im Alter von 4 bis 6 Jahren in ihre Studie aufgenommen. Die Hälfte der Probanden erhielt ein Jahr lang Geigenunterricht nach der Suzuki-Methode, bei der die Kinder zunächst keine Noten lernen, sondern nach Gehör spielen. Die übrigen Teilnehmer wurden nicht musikalisch geschult.

Vor der ersten Geigenstunde und drei weitere Male im Verlauf der Studie spielten die Forscher allen Teilnehmern einen Geigenton vor sowie einen Rauschton. Die Reaktion der kindlichen Großhirnrinde zeichneten sie als MEG auf. Dabei wird das von aktiven Hirnarealen aufgebaute Magnetfeld an der Oberfläche des Kopfes erfasst.

Nach einem Jahr Musikunterricht traten bestimmte MEG-Schwingungsmuster deutlich früher und stärker auf als zuvor. Diese Veränderung war nur bei den Suzuki-Kindern zu beobachten, und nur dann, wenn diese den Geigenton hörten. Die Forscher werten dies als Zeichen dafür, dass sich bestimmte Nervennetzwerke gebildet haben, die auf die Verarbeitung bedeutsamer Töne spezialisiert sind.

Zu Beginn der Studie sowie an deren Ende nahmen die Probanden außerdem an zwei Verhaltenstests teil. Zunächst sollten sie Rhythmen, Harmonien und Melodien unterscheiden. Dann wurde ihnen eine Gedächtnisaufgabe vorgelegt, die im Rahmen von Intelligenztests häufig genutzt wird und mit Musik nichts zu tun hat. Bei beiden Tests machten die Kinder, die nach der Suzuki-Methode trainiert wurden, im Verlauf des Jahres deutlich bessere Fortschritte als die nicht musikalisch geschulten Kinder.
Darauf, dass Musikunterricht die allgemeine geistige Entwicklung von Kindern fördert, hatten bereits mehrere frühere Studien hingedeutet. “Unsere Studie belegt den Einfluss auf die Gehirnentwicklung nun direkt”, sagt Studienleiter Fujioka. Der Wissenschaftler plädiert dafür, dem Musikunterricht einen festen Platz in der Vor- und Grundschule einzuräumen.

Brain, Bd. 129, S. 2593
Quelle: Berliner Zeitung

Chemotherapie kann Hirn beeinträchtigen

6. Februar 2007

Eine Chemotherapie kann auch nach zehn Jahren noch das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen. Das lässt eine Studie an 16 Brustkrebspatientinnen vermuten.

Die Ursachen dieser Symptome, über die viele Patienten klagen, sind Veränderungen im Stoffwechsel und Blutfluss des Gehirns. Das haben Forscher aus den USA mithilfe von Hirnscans bei ehemaligen Brustkrebspatientinnen nachgewiesen, die bis zu zehn Jahre zuvor mit einer Chemotherapie behandelt worden waren. Über die Ergebnisse berichten die Wissenschaftler um Daniel Silverman von der Universität von Kalifornien in Los Angelos im Fachmagazin “Breast Cancer Research and Treatment” (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1007/s10549-006-9380-z).

Hirn musste sich mehr anstrengen
Die Forscher untersuchten 16 ehemalige Chemotherapie-Patientinnen mithilfe der so genannten Positronen-Emissions-Tomography (PET), die Stoffwechselvorgänge und den Blutfluss im Gehirn sichtbar machen kann. Die Ergebnisse verglichen die Wissenschaftler dann mit den Scans von 5 Brustkrebspatientinnen, denen der Tumor nur operativ entfernt worden war und 13 gesunden Probanden. Die Chemotherapie-Patientinnen hatten im Vergleich zu den Kontrollgruppen geringere Stoffwechselaktivitäten in einem bestimmten Bereich des Vorderhirns, beobachteten die Wissenschaftler. Je geringer der Stoffwechsel war, desto schwerer fiel es den Frauen, anschließend Gedächtnisaufgaben zu bewältigen. Während sie die Aufgaben lösten, zeigten diese Bereiche des Vorderhirns ungewöhnlich starke Aktivität und erhöhten Blutfluss, was die Forscher als ein Zeichen dafür interpretieren, dass sich die Frauen mehr anstrengen mussten.

Eine Chemotherapie wird häufig nach einer Tumorentfernung eingesetzt, um die Neubildung von Krebsgewebe zu unterdrücken. Die Chemotherapie zerstört vor allem Zellen, die sich ständig teilen, wie das bei Tumorzellen der Fall ist. Da sich aber auch gesunde Zellen im Körper häufig teilen, kommt es bei der Chemotherapie zu Nebenwirkungen und Komplikationen, beispielsweise Haarausfall und Übelkeit. Frühere Studien zeigten aber auch, dass bei über 80 Prozent der Patienten die geistigen Fähigkeiten nachlassen. Die Ergebnisse der Forscher belegen jetzt zum ersten Mal, welche Veränderungen im Gehirn dafür verantwortlich sind. Weitere Studien zur Erforschung der Ursachen dieser Schäden sollten nun folgen, so die Wissenschaftler.

Quelle: Stern

Insulinmangel im Hirn beeinträchtigt Gedächtnis

6. Februar 2007

Insulinresistente Typ-2-Diabetiker haben verringerte Insulinspiegel im Gehirn / Kognitive Defizite in Studie belegt

Typ-2-Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für kognitive Defizite und Demenz. Daran sind wohl postprandiale Blutzuckerspitzen beteiligt. Aber auch Insulinmangel im Gehirn hat offenbar eine große Bedeutung, besonders bei Insulinresistenz. Denn dann ist der Transport des Hormons ins Gehirn verringert.

Das Risiko einer Verschlechterung kognitiver Funktionen ist für Typ-2-Diabetiker fast verdoppelt. Das belegte vor kurzem eine Auswertung von 25 Studien mit 8600 Teilnehmern, wie Professor Werner Kern aus Lübeck berichtet hat. Daß das Risiko für vaskuläre Demenz mehr als verdoppelt ist, überrascht nicht. Denn Typ-2-Diabetes ist ja ein bedeutender kardiovaskulärer Risikofaktor. Aber Diabetiker erkranken auch 1,2- bis 2,3mal häufiger an Alzheimer-Demenz als Nicht-Diabetiker.

Warum haben Diabetiker ein erhöhtes Risiko, geistige Leistung einzubüßen? Nach den Ergebnissen mehrerer neuer Studien wird sowohl bei hohen postprandialen Glukosespiegeln als auch durch einen Insulinmangel im Gehirn die geistige Leistung gemindert, berichtete Kern beim Diabeteskongreß in Leipzig.
Akute Überzuckerung beeinträchtigt das Gedächtnis
Welche Effekte eine akute Überzuckerung auf das Denken hat, haben vor kurzem schottische Forscher untersucht. Sie hielten Typ-2-Patienten zwei Stunden lang bei einem Glukosewert von 92 mg/dl oder bei bei 300 mg/dl. Dann prüften sie Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und Informationsverarbeitung. Dabei fanden sie bei den hyperglykämischen Patienten in allen Punkten eine schwächere Leistung.

Wie sich regelmäßige postprandiale Blutzuckerspitzen, die zwar meist nicht so hoch ausfallen, sich aber ständig wiederholen, auf die Gehirnfunktion auswirken, haben finnische Ärzte geprüft. Sie erhoben dreieinhalb Jahre lang Daten bei 500 Teilnehmern mit normaler Glukosetoleranz und bei 80 mit gestörter Glukosetoleranz (IGT). Bei IGT steigt der Zwei-Stundenwert des Blutzuckers im oralen Glukosetoleranztest auf 140 bis 199 mg / dl. Ergebnis: Die Patienten mit IGT hatten ein schlechteres Gedächtnis als die Vergleichsgruppe. Im Mini-Mental-Status-Test zur Kognitionsprüfung schnitt die IGT-Gruppe schlechter ab.

Offenbar ist aber auch die Insulinkonzentration von großer Bedeutung. Denn Insulin gelangt durch aktiven Transport über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn. Hippocampus, der für die Gedächtnisbildung wichtig ist, und Hirnrinde sind mit Insulinrezeptoren gut bestückt. Steigt der Insulinspiegel im Blut, dann steigt er auch im Liquor. Tierversuchen zufolge nimmt dann auch die Gedächtnisleistung zu.

Anders jedoch verändern sich die Insulinspiegel im Blut und im Liquor bei Insulinresistenz. Als Kern bei Probanden die Insulinkonzentration prüfte, entdeckte er: Mit Zunahme von Gewicht und Fettmasse stieg der Insulinspiegel im Plasma – im Liquor dagegen war es umgekehrt. “Der Anteil des Insulins, das in den Liquor transportiert wird, nahm ab. Übergewichtige, insulinresistente Menschen haben also nicht zuviel, sondern zu wenig Insulin im Gehirn”, betonte der Diabetologe bei einem Symposium von LifeScan. Die Beziehung ist linear: Je dicker ein Mensch ist, um so weniger Insulin ist im Gehirn. Eine verminderte Insulinkonzentration im Gehirn wurde auch bei Alzheimer-Patienten beobachtet.

Stärkster Prädiktor für die Insulinabnahme im Liquor war in Kerns Studie der Grad der Insulinresistenz. Bei einem solchen Defizit könnte intranasal verabreichtes Insulin helfen; es gelangt über den Nervus olfactorius direkt ins Gehirn.
Die nasale Insulintherapie erfolgte acht Wochen lang
Tests mit 36 normalgewichtigen, gesunden Männern belegen den Nutzen einer solchen Therapie. Die Männer erhielten acht Wochen lang täglich intranasal ein Scheinpräparat oder jeweils 160 Einheiten eines Normalinsulins oder eines kurzwirksamen Insulin-Analogons. Im Vergleich zu Placebo nahmen mit Normalinsulin behandelte Studienteilnehmer signifikant ab und verbesserten ihr Gedächtnis. Mit dem Analogon war der Unterschied noch deutlicher. Möglicherweise, so Kern, gelange durch den schnellen Anstieg und die hohen Plasmaspiegel der Analoga das Insulin leichter ins Gehirn. In einer ersten Studie wurde jetzt auch bei adipösen Menschen nachgewiesen, daß ihnen intranasales Insulin nützt: Auch ihr Gedächtnis verbessert sich. Aber sie nehmen nicht ab.

FAZIT
Insulinrezeptoren gibt es auch im Gehirn. Besonders viele finden sich zum Beispiel im Hippocampus, der für die Gedächtnisbildung wichtig ist. Bei Insulinresistenz ist jedoch der Transport des Insulins über die Blut-Hirn-Schranke gestört: Übergewichtige, insulinresistente Patienten haben einen verringerten Insulinspiegel im Gehirn. Das könnte mit ein Grund sein, warum Typ-2-Diabetiker und Menschen mit erhöhten postprandialen Blutzucker-Werten häufiger kognitive Defizite oder eine Demenz entwickeln. Intranasal verabreichtes Insulin gelangt direkt ins Gehirn und verbessert kognitive Fähigkeiten und die Gedächtnisleistung. (hbr)

Quelle: Ärztezeitung

Paviane und Tauben haben gutes Gedächtnis

6. Februar 2007

Die US-Akademie der Wissenschaften bringt Erstaunliches an die Öffentlichkeit: Paviane und Tauben haben ein regelrechtes Elefantengedächtnis. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern aus den Vereinigten Staaten und Frankreich, die die Akademie in der Wissenschaftszeitschrift PNAS veröffentlichte. Demnach können sich die Tiere noch Monate später an gesehene Bilder erinnern.

Kombination aus Bild und Markierung
Die Wissenschaftler machten mit den Affen und den Vögeln Tests an Computerbildschirmen. Dort zeigten sie ihnen verschiedene Farbbilder; bei jedem dieser Bilder leuchtete eine Markierung rechts oder links davon auf. Später überprüften die Forscher das Gedächtnis der Tiere, indem sie ihnen die Fotos erneut zeigten. Paviane und Tauben sollten die Markierung auf der richtigen Seite aussuchen. Die Paviane bedienten dafür einen Joystick, die Tauben klopften mit ihrem Schnabel.

Hunderte Fotos wiedererkannt
Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Tauben merkten sich 800 bis 1200 verschiedene Bilder. Die Paviane erkannten sogar zwischen 3500 und 5000 Fotos wieder. Die Studie dauerte insgesamt drei Jahre. Bei den Tauben sei offenbar die Aufnahmegrenze erreicht, sagte Joël Fagot vom nationalen französischen Wissenschaftszentrum (CNRS) in Marseille. Die Paviane könnten sich aber vermutlich noch mehr Bilder merken.

Gleiches Schema bei beiden
Das Erinnern und Vergessen lief bei Affen und Vögeln überraschenderweise gleich ab, berichtete der Forscher gemeinsam mit seinem Kollegen Robert Cook von der Tufts-Universität in Boston. So zögerten beispielsweise beide Tierarten, wenn sie sich an die korrekte Markierung nicht erinnern konnten, anstatt gleich die falsche Antwort zu geben. Auch merkten beide sich am besten jene Bilder, die sie am Anfang des Versuchs gesehen hatten, und solche Bilder, die ihnen erst ganz am Ende gezeigt wurden.

Langzeitgedächtnis spielt wichtige Rolle
Dies zeige, dass 250 Millionen Jahre getrennte Entwicklung von Säugetieren und Vögeln lediglich das Ausmaß, nicht aber die Funktionsweise des Gedächtnisses veränderten, erklärten Fagot und Cook. Nach Ansicht der Forscher hat die schrittweise Entwicklung des Langzeitgedächtnisses eine bedeutende Rolle in der Evolution gespielt. Ein weiter entwickeltes Gedächtnis sei möglicherweise sogar der Ursprung menschlicher Intelligenz und komplexer Verhaltensweisen.

Quelle: dpa, AFP, ube

Denksport ersetzt Demenz-Medikamente

20. Dezember 2006

Im gezielten Training für das Gehirn sehen Altersforscher die Therapie der Zukunft gegen Alzheimer und andere Demenzerkrankungen.
Mit Gehirnjogging können sich alte Menschen ihren Alltag wesentlich erleichtern. Dabei hilft den Senioren nicht nur permanente geistige Anregung, sondern auch gezielter Denksport. Das zeigt eine amerikanische Langzeitstudie. Noch fünf Jahre nach dem Ende eines speziellen Trainingsprogramms für die grauen Zellen zeigten die Senioren deutlich bessere Hirnleistungen als die nicht geschulten Altersgenossen. Aus den Studienergebnissen ziehen Altersforscher den Schluss, dass geistiges Training – neben körperlicher Aktivität – in Zukunft die wesentliche Therapie gegen den altersbedingten Gehirnverfall darstellen könnte. Medikamente wären dann nur noch für schwere Fälle von Alzheimer oder Demenz nötig. Das schreiben Sally Shumaker und Kollegen von der Wake Forest University, North Carolina, in einem Kommentar zur Studie im Medizinmagazin „JAMA“.

Zehn Stunden für Logik und Gedächtnis

Die Basis dieser Prognose lieferte eine auf fünf Jahre angelegte US-Studie mit 2800 Teilnehmern zwischen 65 und 94 Jahren, die sechs Forschungseinrichtungen gemeinsam durchgeführt hatten.

Studienleiter Michael Marsiske von der Universität Florida in Gainesville und seine Mitarbeiter teilten die Senioren zunächst nach dem Zufallsprinzip in mehrere Gruppen ein, die ein zehnstündiges Gehirntraining mit unterschiedlichen Schwerpunkten absolvierten. Eine Kontrollgruppe erhielt keinen Unterricht. Nach einem und nach drei Jahren bekam ein Teil der Probanden jeweils acht Auffrischungsstunden.

Das gezielte Hirnjogging erleichterte den Versuchsteilnehmern den Alltag, etwa beim Einkaufen, bei Bankgeschäften und Behördengängen. Der Effekt der Lerninhalte hielt auch nach fünf Jahren noch an, als die Versuchsteilnehmer zum letzten Mal getestet wurden. Besonders gut schnitten die Testpersonen ab, die ihre Gedächtnis- und Denkleistung zwischendurch aufgefrischt hatten.

Lernspiele für Senioren

Die Wissenschaftler sind sich bewusst, dass noch viel Forschung nötig ist, um ein ideales Trainingsprogramm für ältere Menschen zu entwickeln. „Aber ein Anfang ist gemacht. Unsere Studie zeigt, dass Menschen über 65 Neues lernen können, und dass die Inhalte nicht sofort wieder aus dem Gedächtnis verschwinden, sondern noch Jahre später wirken“, sagt Michael Marsiske.

Sally Shumaker kommentiert: „Die Studie illustriert überzeugend, was man ohne Medikamente für die Gehirnleistung erreichen kann.“ Die Wissenschaftlerin kann sich vorstellen, dass Hersteller kommerzielle Trainingsprogramme zum Beispiel als Lernspiele entwickeln. Die Seniorentreffs von Gemeinden, Kirchen und sozialen Organisationen könnten den entsprechenden Unterricht anbieten.

Quelle: Focus Online

Gedächtnis-Gen KIBRA entdeckt

20. Oktober 2006

Auf der Suche nach den genetischen Grundlagen des menschlichen Gedächtnisses sind die Professoren Andreas Papassotiropoulos und Dominique de Quervain der Universität Zürich auf ein neues Gen gestossen, das die Hirnaktivität in gedächtnisrelevanten Regionen des Gehirns steuert. Die Zeitschrift «Science» berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe darüber.
MRI-Bild

Erst seit wenigen Jahren beginnen Wissenschaftler zu verstehen, welche Gene die Funktion des menschlichen Gedächtnisses steuern. In diesem noch jungen Forschungsgebiet haben die beiden Professoren der Abteilung für Psychiatrische Forschung an der Universität Zürich, Andreas Papassotiropoulos and Dominique de Quervain, Pionierarbeit geleistet. Unter anderem entdeckten sie, dass Gene, welche einfache Formen von Gedächtnis bei Tieren steuern, auch beim menschlichen Gedächtnis eine wichtige Rolle spielen. Finanziert wird ihre Forschung vom Schweizerischen Nationalfonds.
Gedächtnis-Gen namens KIBRA

Um gedächtnisrelevante Gene beim Menschen zu finden, haben Papassotiropoulos und de Quervain einen neuen Weg eingeschlagen: Statt sich auf tierexperimentelle Daten zu stützen, untersuchten sie das gesamte menschliche Genom, in der Hoffnung, bisher unbekannte Gene und Mechanismen zu entdecken. So sind sie auf das Gen KIBRA gestossen, dem die beiden Forscher nun eine wichtige Rolle für die intakte Funktion des menschlichen Gedächtnisses zuschreiben.

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Papassotiropoulos und de Quervain
Haben das Gedächtnis-Gen KIBRA entdeckt: die Professoren Andreas Papassotiropoulos und Dominique de Quervain von der Universität Zürich. (Bild: Amanda Aerni)

«Dank unserer engen Zusammenarbeit mit Dr. Dietrich Stephan vom Translational Genomics Research Institute in den USA waren wir in der Lage, mehr als eine halbe Million Stellen des menschlichen Genoms zu untersuchen. Diese hohe Auflösung ermöglicht es uns, neue genetische Mechanismen des menschlichen Gedächtnisses zu entdecken, wie im Fall von KIBRA», sagt Andreas Papassotiropoulos.
Auf der Suche nach weiteren Gedächtnis-Genen

«Mit Hilfe funktioneller Bildgebung konnten wir zeigen, dass das neu entdeckte Gen die Hirnaktivität in gedächtnisrelevanten Regionen des Gehirns steuert. Nun planen wir Studien, um mehr über dieses Gen und dessen Rolle in der Informationsspeicherung herauszufinden. Zudem möchten wir in künftigen Studien weitere für das menschliche Gedächtnis wichtige Gene identifizieren», sagt Dominique de Quervain. Die Forscher sind davon überzeugt, dass die Entdeckung neuer genetischer Mechanismen unser Verständnis über die Funktion des menschlichen Gedächtnisses substantiell verbessern wird – und dass damit neue Wege zur Behandlung von Gedächtnisstörungen eröffnet werden könnten.

Quelle: Unicom

Erdbeeren fürs Gedächtnis

19. Oktober 2006

Mäusestudie: Farbstoff aus den Früchten verbessern die Erinnerungsfähigkeit

Erdbeeren sind gut fürs Gedächtnis: Ein Farbstoff, der in den Früchten vorkommt, fördert die Speicherung von Informationen im Langzeitgedächtnis, haben amerikanische Wissenschaftler in einer Studie an kultivierten Zellen und Mäusen gezeigt. Die Substanz mit dem Namen Fisetin wirkt, indem sie das Wachstum von Nervenzellen fördert. Nur durch Erdbeeren allein ist es allerdings schwierig, zum Gedächtniskünstler zu werden: Um einen spürbaren Effekt zu erzielen, müsste ein Mensch knapp fünf Kilogramm täglich verzehren – und das könnte laut Studienleiterin Pamela Maher selbst dem größten Erdbeerfan auf Dauer zu viel werden.

In ihrer Studie prüften die Wissenschaftler zunächst die Wirkung verschiedener Pflanzenfarbstoffe in kultivierten Zellen im Labor, die die Vorgänge bei Demenzerkrankungen nachbilden. Von den getesteten Farbstoffen förderte insbesondere das Fisetin das Wachstum und die Reifung der Nervenzellen, stellten die Biologen fest. Außerdem regte es einen Prozess an, der für das Lernen von neuen Informationen oder Fähigkeiten wichtig ist: die so genannte Langzeit-Potenzierung.

Eine ähnliche Wirkung hatte Fisetin auch in kultivierten Zellen aus dem Hippocampus, einer Hirnregion, die für das Langzeitgedächtnis eine zentrale Rolle spielt. Als nächstes testeten die Forscher daher den Effekt der Substanz bei lebenden Mäusen: Sie bekamen zunächst eine Dosis Fisetin injiziert und sollten anschließend Objekte wiedererkennen, die sie einen Tag zuvor kennen gelernt hatten. Tatsächlich verbesserte sich die Fähigkeit der Mäuse, sich an die bekannten Objekte zu erinnern, zeigte die Auswertung.

Maher und ihre Kollegen hoffen, auf der Basis von Fisetin in Zukunft Medikamente gegen Demenzerkrankungen wie Alzheimer entwickeln zu können. Allerdings sei es ein Unterschied, ob bei Gesunden die Gedächtnisleistung verbessert werde oder ob es gelänge, die alzheimertypische Zerstörung von Nervenzellen aufzuhalten, erklärt Maher. Aber immerhin könnten gedächtnisfördernde Substanzen helfen, den Verlauf der Alzheimerkrankheit etwas aufzuhalten.

Quelle: Wissenschaft.de

Klug essen und trinken

17. Oktober 2006

Eine neue Studie gibt Hinweise darauf, dass der Genuss von Wein das Gedächtnis verbessert.

Sich klug essen und trinken? Giulio Pasinetti ist ein ernsthafter Wissenschaftler. Und so war seine Reaktion eindeutig: „Bist du völlig verrückt geworden?“, entgegnete der aus Italien stammende Mediziner von der Mount Sinai School of Medicine in Boston einem Studenten, als der ihm eine auf den ersten Blick skurrile Studie vorschlug: Der Jung-Forscher wollte gründlich untersuchen, ob der Genuss von Wein das Gedächtnis verbessert. „Ich musste mich entschuldigen“, gestand Pasinetti hinterher, „Rebensaft ist tatsächlich gut fürs Gehirn“.
Wie unsere Ernährung auf das Denkvermögen wirkt, ist eine Frage, um die ernst zu nehmende Forscher bisher eher einen Bogen schlugen – was sollte dabei schon herauskommen außer dem Ruin des Rufes? Doch mittlerweile berichten Wissenschaftler selbst auf so ehrwürdigen Tagungen wie der Neuroscience-Konferenz in Atlanta von erstaunlichen Hinweisen, denen weiter nachzugehen sich lohnt.

Der Mediziner Narayan Bhat von der Medical University of South Carolina fütterte Mäuse mit einer fettreichen Diät. Danach musste er feststellen, dass sich bei den Tieren das Kurzzeitgedächtnis verschlechterte. Die Ärztin Carey Gleason, University of Wisconsin, verzeichnete bei 30 im Durchschnitt 74 Jahre alten Männern, wie viel Soja sie zu sich nahmen. Dabei zeigte sich: Diejenigen mit der höchsten Menge von Soja-Bestandteilen im Blut schnitten in einem Sprachtest besser ab. Alex Poplawsky von der Bloomsburg University in Pennsylvania trainierte Ratten in einem Verhaltenstest darauf, genau zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Hebel zu drücken – gefüttert mit Traubensaft gelang dies den Versuchstieren besser.

Wein erhöht das Denkvermögen

Im Labor von Pasinetti schließlich gaben sie Mäusen einen aus Cabernet-Sauvignon-Trauben gekelterten Wein zu schlürfen. Dabei handelte es sich um einen genetisch so veränderten Stamm, dass die Nager die Symptome der Alzheimer-Erkrankung entwickelten und schließlich daran starben. Diese Gourmet-Variante eines Laborversuchs führte laut Pasinetti dazu, dass sich im Gehirn der Tiere weniger für Alzheimer typische Ablagerungen bildeten. Zudem verbesserte der Konsum des Pflanzenproduktes die geistigen Leistungen. In einem Orientierungstest lernten die Mäuse schneller und behielten die Lösung länger im Gedächtnis als eine Gruppe von Vergleichstieren. Die zugeführte Weinmenge entsprach dabei etwa den als unbedenklich geltenden zwei Gläsern pro Tag für Männer.

Noch handelt es sich nur um Hinweise – die Zahl der Probanden ist zu gering und auch zum Umfang der Leistungsverbesserung in unterschiedlichen Lebensaltern des Menschen fehlen aussagekräftige Daten. Zudem ist offen, über welchen Mechanismus die genannten Nahrungsmittel wirken. Dies sollten die Wissenschaftler rasch klären – und zwar bevor sie in Kooperation mit Herstellern Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt bringen, z. B. die Wein-Pille, die das Gedächtnis verbessert.

Quelle: Focus

Zink verbessert Konzentration

4. Oktober 2006

Zink verbessert die Konzentration, das Reaktionsvermögen und die Gedächtnisleistung von Jugendlichen, so der Ernährungswissenschaftler Enrico Möhler von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. in Aachen.
In einer aktuellen Studie fanden amerikanische Wissenschaftler heraus, dass eine Nahrungsergänzung mit Zink bei Heranwachsenden eine verbesserte geistige Leistungsfähigkeit zur Folge hat.

Zink verbessert die Konzentration, das Reaktionsvermögen und die Gedächtnisleistung von Jugendlichen, so der Ernährungswissenschaftler Enrico Möhler von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. in Aachen.
In einer aktuellen Studie fanden amerikanische Wissenschaftler heraus, dass eine Nahrungsergänzung mit Zink bei Heranwachsenden eine verbesserte geistige Leistungsfähigkeit zur Folge hat.

Während der Forschung nahmen 111 Mädchen und 98 Jungen der siebenten Klasse zehn Wochen lang jeden Schultag ein Glas Fruchtsaft ein. Bei einer ersten Gruppe war kein Zink im Saft, bei der zweiten Gruppe war dem Saft 10 Milligramm und bei der dritten Gruppe 20 Milligramm des essentiellen Spurenelementes zugesetzt. Anschließend wurden Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit, Gedächtnis, Vorstellungskraft sowie das logische Denkvermögen getestet. Nach Ablauf der Studie war bei den Schülern, die täglich 20 Milligramm Zink erhielten, eine deutliche Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit erkennbar. So verkürzte sich die Reaktionszeit um 12 Prozent, das visuelle Gedächtnis und die Wortfindung verbesserten sich um neun beziehungsweise um sechs Prozent.

Zink fördert das Immunsystem, erhöht die Abwehrkraft und erfüllt wichtige Funktionen im Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass 50 Prozent der Bevölkerung einen Zinkmangel hat. In tierische Nahrungsmittel wie Austern oder Innereien ist viel Zink vorhanden, in pflanzlichen Lebensmitteln ist Zink jedoch kaum verfügbar. Daher sollten gerade Vegetarier Zink zusätzlich einnehmen, rät die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V.
Quelle: Krankenkassenratgeber

Kurkuma stärkt mentale Leistungen

6. September 2006

Gelber Ingwer, Haldi, Turmeric, Gelbwurz oder auch Kurkuma genannt ist nach Angaben von Forschern aus Singapur noch gesünder als bisher angenommen. Das Gewürz, einer der Hauptbestandteile der indischen Curry-Gemische, ist nämlich in der Lage die Gedächtnisleistungen von Menschen deutlich zu steigern, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Gelber Ingwer, Haldi, Turmeric, Gelbwurz oder auch Kurkuma genannt ist nach Angaben von Forschern aus Singapur noch gesünder als bisher angenommen. Das Gewürz, einer der Hauptbestandteile der indischen Curry-Gemische, ist nämlich in der Lage die Gedächtnisleistungen von Menschen deutlich zu steigern, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.

Curry hilft bei Alzheimer

Das Forscherteam um Tze-Pin Ng von der National University in Singapur hat herausgefunden, dass Kurkuma die Ablagerung von Amyloid-Plaques bei Alzheimer-Patienten hemmt. Bei Untersuchungen von mehr als Tausend gesunden Asiaten zwischen 60 und 93 Jahren konnten die Forscher feststellen, dass jene Probanden, die regelmäßig Curry aßen, eine bessere Gedächtnisleistung aufwiesen als jene, die nie oder selten Curryspeisen zu sich nahmen.

Eine Currywurst pro Halbjahr

“Das Erstaunliche an den Untersuchungen war, dass bereits ein Currygericht in einem Zeitabstand von einem halben Jahr diese positiven Veränderungen bewirkte”, so der Forscher. Das Wissenschaftlerteam will nun weitere Studien durchführen, um die genaue Wirkung von Kurkuma zu erforschen. Dazu sollen klinische Tests Gelbwurz mit einem Placebo vergleichen.

Kurkuma in der indischen Medizin

Kurkuma ist in der Geschichte bereits seit 3.000 Jahren in Gebrauch. Neben der Verwendung als Gewürz diente der Farbstoff auch zum Färben von Stoffen. Zunächst wurde der Gelbwurz nur in Indochina und Indien verwendet, gelangte aber bereits Ende des ersten Jahrhunderts nach Europa – zuerst nach Griechenland, später nach Mitteleuropa. Das Gewürz ist seit jeher für seine verdauungsfördernde Wirkung bekannt. Kurkuma hat zudem antimutagene, antikarzinogene und antitumorale Wirkung. Die Substanz wirkt außerdem antioxidativ. In der indischen Medizin wird Kurkuma bei Entzündungen, Wunden und Ulzera der Haut, Juckreiz, Bauchbeschwerden, Blähungen und Verstopfung angewendet.

Quelle: Berlin Online

Tierversuche bieten neue Ansätze gegen Alzheimer

6. September 2006

Der Berliner Molekulargenetiker Prof. Erich Wanker sieht in jüngsten Ergebnissen von Tierversuchen erste Ansätze, Alzheimer und andere Demenz-Erkrankungen in Zukunft schon im Frühstadium erkennen und bekämpfen zu können.

»Allerdings ist der Schritt von der Maus zum Menschen oft noch sehr groß«, warnte der Experte für neurodegenerative Erkrankungen am Max-Delbrück-Centrum (MDC) in Berlin-Buch in einem dpa-Gespräch. Das MDC ist von diesem Mittwoch bis zum Samstag Gastgeber einer weltweit bislang einzigartigen Konferenz, bei der Genomforscher und Alzheimer-Experten gemeinsam neue Grundlagen und Ansätze zur Therapie dieser Erkrankungen diskutieren.

Berlin (dpa) – Der Berliner Molekulargenetiker Prof. Erich Wanker sieht in jüngsten Ergebnissen von Tierversuchen erste Ansätze, Alzheimer und andere Demenz-Erkrankungen in Zukunft schon im Frühstadium erkennen und bekämpfen zu können.

»Allerdings ist der Schritt von der Maus zum Menschen oft noch sehr groß«, warnte der Experte für neurodegenerative Erkrankungen am Max-Delbrück-Centrum (MDC) in Berlin-Buch in einem dpa-Gespräch. Das MDC ist von diesem Mittwoch bis zum Samstag Gastgeber einer weltweit bislang einzigartigen Konferenz, bei der Genomforscher und Alzheimer-Experten gemeinsam neue Grundlagen und Ansätze zur Therapie dieser Erkrankungen diskutieren.

»Es passiert sehr viel Spannendes zur Zeit«, berichtete Wanker. So habe Dominic Walsh (Dublin) bestimmte so genannte Oligomere nachgewiesen, winzige Strukturen, die ein früher Marker und zugleich Auslöser von Demenz seien. »Schon diese Oligomere könnten eines Tages Zielscheiben neuer Medikamente werden, lange bevor sich die für Alzheimer typischen Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn zeigen«, erläuterte Wanker.

Ein Team um Prof. Ulrich Hartl (München) wiederum erforsche spezielle Hitzeschock-Proteine, so genannte Chaperone (»Anstandsdamen«), die die bei neurodegenerativen Erkrankungen typischen, missgefalteten Proteine erkennen und dabei helfen, sie wieder richtig zu falten. »Diese Chaperone hat jeder, aber mit dem Alter wird ihre Aktivität schwächer. Allerdings können die schwächelnden “Anstandsdamen” offenbar mit bestimmten Molekülen wieder aktiviert werden.« Für seine Forschungen erhält Hartl an diesem Donnerstag in Hamburg den mit 750 000 Euro dotierten Körber- Preis für die Europäische Wissenschaft 2006.

Auch der Kanadier Michael Hayden, dessen Veröffentlichung im Journal »Cell« jüngst für Aufsehen sorgte, wird in Berlin sein: Er hat im Tierversuch mit bestimmten Enzymen erfolgreich die zelluläre »Müllabfuhr« für die Eiweißablagerungen im Hirn angekurbelt und den Mäusen somit ihr Gedächtnis zurückgegeben. Wankers Berliner Team selbst arbeitet daran, die Missfaltung von Proteinen mit bestimmten Substanzen aus dem Grünen Tee zu verhindern. »Bis daraus jedoch Medikamente für den Menschen entstehen, werden noch viele Jahre vergehen«, betont Wanker.

Derzeit ist Alzheimer nicht heilbar, sondern lässt sich mit Medikamenten lediglich im Verlauf um einige Zeit verzögern. Rund eine Million Menschen in Deutschland leiden an einer Demenzerkrankung, zwei Drittel davon an der vor 100 Jahren vom deutschen Nervenarzt Alois Alzheimer erstmals beschriebenen Krankheit.

06.09.2006 dpa