Den Hocker stelle ich auf die Säule. Fertig!
6. August 2009
Konstantin Skudler ist deutscher Gedächtnismeister. Er erklärt, wie man sich viele Ziffern in wenigen Minuten merkt.
Das Gespräch führte Carolin Möllmann
Konstantin Skudler ist seit dem Wochenende deutscher Gedächtnismeister bei den Kindern. Im Herbst fährt der zehnjährige Schüler zur Weltmeisterschaft nach London. Beim Interview mit ihm redete auch sein Vater Jörg mit.
Hallo Konstantin, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Deutschen Meisterschaft.
Dankeschön!
Du hast dir am Wochenende in fünf Minuten 100 Zahlen gemerkt, kannst du dich noch an die ersten zehn erinnern?
Nein.
Aber bestimmt kennst du alle Telefonnummern deiner Freunde und Verwandten?
Nein, die kenne ich auch nicht alle. Zumindest merke ich mir die nicht so wie die Zahlen beim Wettbewerb.
Wie hast du dir die denn gemerkt?
Für jede Zahl von 0 bis 99 habe ich ein Bild im Kopf. Dann mache ich eine kurze Geschichte aus einem Bild und einem Routenpunkt. Die Routenpunkte sind Dinge auf einem bestimmten Weg durch unsere Wohnung. Das wiederhole ich für alle Zahlen, die ich mir merken will.
Wie merkst du dir zum Beispiel 508?
Also die 05 08?
Ja genau.
Die 05 ist eine Säule, aber eine kurze, eine, die noch nicht bis an die Decke geht. Und der erste Routenpunkt ist ein Hocker. Den Hocker stelle ich auf die Säule. Fertig! Was war die andere Zahl noch mal?
Die 08.
Ja, das ist Seife. Und der nächste Routenpunkt in meinem Kopf ist der Schrank. Und die Seife und der Schrank …
Konstantins Vater Jörg macht einen Vorschlag: Der Schrank ist voller Seife und die Seife schäumt schon aus dem Schrank raus …)
Konstantin: Nein, der Schaum steht doch schon für die 63, das geht also nicht!
Vater: Na gut, dann ist der Schrank halt ganz glitschig.
Konstantin: Genau, der Schrank ist eingeschmiert mit der Seife und ganz glitschig.
Vater: Tja, je verrückter die Geschichten, desto besser kann er sie sich merken.
Es gibt verschiedene Disziplinen bei den Meisterschaften. Was ist denn deine Lieblingsdisziplin?
Der Binärziffernmarathon. Binärziffern kann ich mir genauso gut merken wie andere Zahlen. Beim Binärziffernsprint hat man nur fünf Minuten Zeit, sich die Zahlen zu merken. Aber beim Marathon, den es leider nur bei der Weltmeisterschaft gibt, hat man 60 Minuten Zeit zum Einprägen. Da bin ich manchen Konkurrenten voraus, weil ich mehr Routenpunkte habe als sie. Und die, die weniger haben, müssen früher aufhören als ich, weil sie keine Routenpunkte mehr haben.
Wie viele Konkurrenten hattest du denn diesmal?
Acht Konkurrenten.
Und kanntest du einige davon schon?
Nicht so viele.
Vater: Es gibt meistens weniger Kinder als Junioren oder Erwachsene. Außerdem steigen die Kinder eher mal aus und machen etwas anderes. Zwei Kinder kannten wir aber von anderen Wettbewerben.
Konstantin: Nein, ich kannte drei der Kinder.
Vater: Gut, dann waren es eben drei. Das passiert ihnen mit hochbegabten Kindern: Sie verbessern einen dauernd.
Wie oft hast du denn für die Deutsche Meisterschaft trainiert?
Selten.
Wieso das denn?
Ich hatte keine Zeit. Wir sind gerade im Urlaub in Tirol und wir gehen viel wandern oder ins Schwimmbad. Aber vor den Ferien habe ich regelmäßig in einem Kurs der Hochbegabtenförderung e. V. trainiert. Und vor der nächsten Weltmeisterschaft im November 2009, da werde ich jeden Tag etwas tun. Mir machen Zahlen viel Spaß, aber manchmal sind mir auch meine anderen Hobbys Klavierspielen oder Karate wichtiger.
Hilft dir deine Begabung in der Schule?
In Mathe bin ich ein bisschen schneller. Aber bei anderen Aufgaben sind andere wieder besser. Die ganze Klasse an meiner Schule, dem Heinrich-Hertz-Gymnasium in Friedrichshain, ist sehr leistungsstark. Ich gehe dort in die siebte Klasse und die meisten Schüler sind zwei Jahre älter als ich.
Welches Fach in der Schule magst du denn gar nicht?
Mein schlechtestes Fach ist Geschichte. Da habe ich auf dem Zeugnis nur eine Drei bekommen. Die Vergangenheit interessiert mich nicht so sehr.
Nervst du manchmal deine Eltern, weil du so viel weißt?
Konstantins Vater lacht: Was heißt denn hier manchmal? Manchmal nervt Konstantin auch nicht!
Quelle: Berliner Zeitung, 6.8.2009
Interview Memocamp von memory-sports.com
11. Juni 2009
Diese Interview wurde von www.memory-sports.com in Kooperation mit Michael Gloschewski Gedächtnistrainer geführt. Lesen Sie hier das Interview:
memory-sports.com: Wie kamst Du auf die Idee, eine Website für Merktechniken zu machen?
Memocamp: Ich wollte effizient trainieren, aber ich hatte nur viele kleine Programme und selbst gemachte Exel-Listen. Einige der Programme arbeiteten nur unter Windows und ich konnte sie nicht auf meine speziellen Bedürfnisse konfigurieren.
memory-sports.com: Warum konntest Du nicht den MemoryXL Trainer verwenden?
Memocamp: Der Trainer ist gut für Anfänger, aber für einen Profiathleten ist es nicht gut genug. Es gibt keine Meisterschaftsstandarts und keine Fehlerauswertung. Der Trainer ist ungefähr acht Jahre alt und wird langsam überholt.
memory-sports.com: Also ist die neue Webseite nur was für Profis?
Memocamp: Es ist für beide. Auf der einen Seite die Anfänger, die beim Lernen Ihrer Systeme unterstützt werden und auch Beispielsysteme bekommen. Auf der andern Seite die Profis die an Meisterschaften teilnehemen. Mit Ihren speziellen Systemen und eine Fehlerauswertung die kieine Wünsche offen lässt.
memory-sports.com: Also man kann sein eigees System einpflegen?
Memocamp: Exat! Man kann seine eigen Systeme verwenden und zum lernen sogar anzeigen lassen. Also wer z.B. ein 1000er System hat kann sich das anzeigen lassen, sogar mit Bildern, wenn er welche hat.
memory-sports.com: Welche Systeme können erstellt werden?
Memocamp: Alle gängigen Systeme. Das normale Mastersystem mit 2 Ziffern oder 3 Ziffern. Ein PO System oder ein PVO System. Es ist auch möglich neue Systeme zu erstellen, ein 100.000 er System in PVO… ist sogar möglich ;-)
memory-sports.com: Was ist mit speziellen Kartensystemen. Können auch hoch komplizierten System wie z.B. von Ben Pridmore, wo es ein Bild für zwei Karten gibt also insgesammt 2.704 Bilder, auch erstellt werden?
Memocamp: Ja, das ist möglich. Im Moment ist das Modul für Karten noch nicht integriert. Es können auch für Binärzahlen eigene Bilder erstellt werden, z.B. ein Bild pro Zeile. Es wird eine Funktion geben, Routen und Systeme zu importieren. Im Moment muss es noch per Hand eingepflegt werden oder Ihr schickt mir eine Dateien, so dass ich es manuell zu Euren System laden kann.
memory-sports.com: Was sind Deine Pläne mit der Webseite?
Memocamp: Gedächtnissport zu verbreiten, das Training zu optimieren und die Gemeinschaft zu vergrößern. Ich werde Leuten helfen, die von den Techniken etwas gehört haben und interessiert sind ihre eigenen-Systeme zu entwickeln. Es ist bereites ein Master-System für Anfänger und eine Route mit 52 Punkten hinterlegt. Sie haben auch die Möglichkeit sich mit anderen Sportlern zu messen. Es gibt auch Level mit denen man sich langsam steigern kann.
memory-sports.com: Wie ist der Status quo?
Memocamp: Im Moment sind die Zahlen Disziplinen, wie 5, 15, 30 und 60 Minuten online. Es gibt ein Level-System, das Sie vollenden müssen bevor es weitergeht. Anders als mit dem MemoryXL-Trainer müssen Sie nicht 100 % richtig haben, um ein Level zu schaffen. Auf diese Weise gibt es weniger Frustration, wenn Sie mal einen Fehler haben. Zur Zeit gibt die Zahlen, es wird aber bald jede einzelne Meisterschaft-Disziplin verfügbar sein, sogar Abstrakte Images und Namen!
memory-sports.com: Wie funktioniert es mit den verschiedenen Zeiten in den Zahldisziplinen?
Memocamp:Man kann die Vorlaufzeit einstellen und die memorier längen wählen. Es gibt sogar ein freies Training bei dem man die Anzahl und die Zeit frei defieneiern kann. An andere alternativen dachte ich auch. Ein Beispiel wäre jede Zahl von 00-99 einmal im Durchgang zu haben.
memory-sports.com: Wie lange wir es dauern bis alle Disziplinen intergiert sind?
Memocamp: Das kann ich noch nicht mit Gewissheit sagen. Eventuell wird es bis zur Weltmeisterschaft ferig sein. Ich hoffe aber späthestens bis Ende des Jahres sollten die Meisterschafts Disziplinen stehen.
memory-sports.com: Du spachst von neuen Disziplinen, die nicht Teil von Meisterschaften sind. Erzähl uns mehr über die Idee.
Memocamp: Eine Idee ist einen Zahlensprint von 50 oder/und 100 Zahlen einzuführen. Das ist dann ähnlich wie beim Sport, 50 Meter oder 100 Meter Lauf. Das gleiche dann auch für Binärzahlen. Ich galube das das sehr viel Spaß machen würde. An eine Art Metronom bei dem man einstellen kann wieviel Zahlen man memorieren möchte und der Fokus dann immer nach Takt weiterspringt. Das sind einige Ideen, da habe ich noch viele von.
memory-sports.com: Könen Nutzer auch Ideen einbringen?
Memocamp: Ja selbstverständlich! Ich wünsche mir ja einen regen Austausch. Es wird jede Idee geprüft und evtl. wird sie dann auch umgesetzt.
memory-sports.com: Memocamp ist nur auf Deutsch im moment. Sin denn andere Sprachen geplant?
Memocamp: Ja, die erste neue Sprache wird Englisch sein. Französisch, Italienisch, Spanisch und Chineseisch wird folgen. Aber zuerst möchte ich alle Standarddisziplinen und alle möglichen Fehler behoben haben Aber es ist sehr einfach, andere Sprachen zu integrieren, die Webseite ist diesen Zweck schon vorbereitet.
memory-sports.com: Was ist die Gebühr für die Anwendung von Memocamp?
Memocamp: Das wird nicht noch entschieden. Aber es wird definitiv etwas kosten. Denn es ist sehr teuer so eine Webseite aufzubauen. Ein kleines Beispiel: Zehntausend Passbilder für Namen & Gesichetr kosten einen Euro pro Stück. Das ist das preiswerteste Angebot, das ich bis jetzt erhielt. Ich denke, dass es zwischen fünf bis 10 Euro im Monat kosten wird. Eine Idee ist eine 30 Tage Testversion, danach müssen für die höheren Level bezahlt werden, die untern sind weiterhin frei.
memory-sports.com: Warum ist der Sport nicht so populär und wie können wir das in der Zukunft ändern?
Memocamp: Ich denke die Leute haben Angst die Techniken zu erlernen, da Sie glauben es ist mit sehr viel Aufwand verbunden. Da ich dies Gedächtnistechniken selbst unterrichte sehe ich das ständig in meien Seminaren. Man kann sein eigenes Majorsystem in ca. 3-4 Stunden leicht erlernen. Selbstverstänlich dauert es etwas bis man es sehr schnell abrufen kann, aber das ist für den Anfang garnicht notwendig. Die hemmschwelle zu einer Meisterchaft zu gehen ist recht hoch, weil niemand gerne letzter wird. Selbst wenn sie kommen werden sie von den Ergebnissen der Profis eingeschüchter und kommen nicht wieder. Obwohl Gedächtnistechniken in unser Gesellschaft immer wichtiger werden können Leute sie nicht wirklich gut trainieren. Ich kann Ihnen dabei helfen.
Vielen Dank für das Interview. Dieses Interview in Englisch gibt es hier:
Interview Konstantin Skudler von memory-sports.com
8. Juni 2009
Diese Interview wurde von www.memory-sports.com in Kooperation mit Michael Gloschewski Gedächtnistrainer geführt. Lesen Sie hier das Interview:
memory-sports.com: Wann hast Du angefangen Dein Gedächtnis zu trainieren?
Konstantin Skudler: Ich habe bei der NordeutschenGedächtnismeisterschaft 2004 zugesehen. Danach besuchte ich den Gedächtniskurs bei der Hochbegabtenföderung.
memory-sports.com: Wie wurdest Du auf da Thema aufmerksam?
Konstantin Skudler: Wir erhielten Post vom Verein, in dem angekündigt wurde das ein bald ein neuer Gedächtniskurs startet. So gingen wir zur Meisterschaft um uns das mal anzusehen. Ich erfuhr das Gedächtnistechniken mit Zahlen etwas zu tun haben und da ich Zahlen schon immer sehr mochte, wollte ich die Techniken erlernen.
memory-sports.com: Was sind die ersten Schritte, an die Du dich erinnerst?
Konstantin Skudler: Ich kann mich gut an meine erste Bestleistung im Memorieren von Zahlen erinnern. Es waren 24 Ziffern.
memory-sports.com: Welche Technik hast Du zu beginn gelernt?
Konstantin Skudler: Wir lernten das Mastersystem mit 100 Bildern und eine Route mit 26 Routenpunkten, für ein halbes Kartenspiel. Heute habe ich 227 Routenpunkte.
memory-sports.com: Welches war deine 1. Meisterschaft?
Konstantin Skudler: Das war die norddeutsche Gedächtnismeisterschaft 2005. Ich belegte den sechsten Platz und es hat viel Spaß gemacht.
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memory-sports.com: Bist Du von Anfang an sehr ehrgeizig gewesen?
Konstantin Skudler: Wirklich angefangen mit dem Training zu Hause habe ich nach der Meisterschaft 2006, als ich 7. wurde. Dann habe ich für die Meisterschaft 2007 trainiert.
memory-sports.com: Die Gedächtnisweltmeisterschaft ist auf einen ganz andern Niveau als die Norddeutsche? Was hat Dir da am besten gefallen?
Konstantin Skudler: Das es über mehrere Tage ging. So hatte ich die Möglichkeit etwas von Bahrain zu sehen. Wusstest Du das es nur eine halbe Stunde dauert, um auf der Hauptinsel mit dem Auto von Norden zum Süden zu kommen. Es gibt 23 Inseln und 3 sind untereinader verbunden. Auf der zweit Größten ist der Flughafen. Im Süden der Hauptinsel ist die Formel 1 Strecke.
memory-sports.com: Nein das wusste ich nicht! – Was war das Beste an Gedächtnismeisterschaften?
Konstantin Skudler: Man steht mit anderen Sportlern in Konkurrenz und findet neue Freunde. Ich traf zum Beispiel Timo Sprekeler. Er wurde Norddeutscher Meister 2008, bei der Meisterschaft trat ich nicht an. Vor Kurzem traf ich ihn wieder bei der Norddeutschen Gedächtnismeiterschaft 2009. Wir traten leider nicht gegeneinander an, da er inzwischen eine Altersklasse höher startet bei den Junioren.
memory-sports.com: Was ist Deine Lieblingsdisziplin?
Konstantin Skudler: Zahlen, weil ich da gut bin. Bei Namen & Gesichtern muß man so kreativ sein. Anderseits so schlecht war ich da auch nicht..!
memory-sports.com: Trainierst Du viel?
Konstantin Skudler: Nur vor den Meisterschaften. Vor der Weltmeisterschaft trainierte ich 2 Monate und vor der Norddeutschen waren es ca. 3 Wochen.
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memory-sports.com: Bemerkst du Verbesserungen?
Konstantin Skudler: Ja das tue ich. Ich habe mir letzte Jahr noch 96 Binärzahlen gemerkt und diese Jahr sind es 192.
memory-sports.com: Was ist denn Dein bestes Trainingsergebnis?
Konstantin Skudler: Nur 180. Das war meine Bestleistung. Ich war froh das die letzte Reihe ein sehr einfaches Muster hatte und ich es mir einfach so merken konnte.
memory-sports.com: Was meinst Du könnte den Sport populärer machen?
Konstantin Skudler: Es könnte helfen die Zahlen per Beamer an die Wand zu projektieren. Dann könnten die Zuschauer auch probieren sich Ziffern zu merken. Eine andere Möglichkeit wäre das aufgeschriebene der Sportler zu sehen.
memory-sports.com: Kannst Du uns ein Beispiel geben für eine gute Geschihte? Wie wäre es mit einer Geschichte mit den Gegenständen Schuh und Stuhl?
Konstantin Skudler: Ich würde den Schuh auf den Stuhl auf und ab hüpfen lassen und ihn von einer Armlehne zu anderen springen lassen. Die Geschichte muss so verrückt sein wie möglich.
memory-sports.com: Bist Du schnell im Bilderaufrufen?
Konstantin Skudler: Ja ich kann die 100 Mastersystembilder in 95 Sekunden durchgehen. Das ist etwas unter einer Sekunde pro Bild.
memory-sports.com: Hast Du ein bestimmtes Ziel?
Konstantin Skudler: Ich möchte unter die Top 100 der Weltrangliste kommen. Dafür muss ich ca. 2800 Punkte in einer Meisterschaft haben. Bei der letzten deutschen Meisterschaft hatte ich 1800 Punkte. Die zählt aber nicht für die Weltrangliste. Es ist ungerecht das die Kinder und Junioren keine eigene Weltrangliste haben sonst würde ich definitiv zu den Besten gehören.
memory-sports.com: Hast Du ein Vorbild?
Konstantin Skudler: Boris Konrad, weil er den Weltrekord in Wörter merken hält und ich bin auch gut im Wörter merken.
memory-sports.com: Wann tritst Du wieder an?
Konstantin Skudler: Diese Jahr bei der Deutschengedächtnismeisterschaft und dann im November bei der Gedächtnisweltmeisterschaft.
Vielen Dank für das Interview. Dieses Interview in Englisch gibt es hier:
Konstantin, neun Jahre alt und Gedächtnisweltmeister
2. November 2008
Diesen Knirps sollten Sie sich gut merken …
Konstantin Skudler (9) aus Berlin hat einen IQ von 140 und seine Cleverness nun sogar schriftlich: Im Königreich Bahrain gewann er die „Gedächtnis-Weltmeisterschaft“!
Der Sechstklässler paukte in einer halben Stunde 513 Einsen und Nullen in der richtigen Reihenfolge auswendig! Ein Genie mit neun Jahren!
Wie macht er das? Schon als Konstantin vier Jahre alt war, las er fehlerfrei aus einem Schulbuch vor, das auf dem Kopf lag. Dann merkte der Junge, dass er sich fast alles spielend merken kann. Konstantin: „Lange Zahlenketten zerlege ich in kurze und forme sie dann im Kopf in Gegenstände um. Ganz einfach!“ Klar, dass dem Jungen das Lernen leichtfällt – auf dem Zeugnis fast nur Einser und Zweier. „Nur in Geschichte habe ich eine Drei“, sagt Konstantin. „Das Thema lag mir nicht so …“ Und was will der kleine Schlauberger mit seinem Supergedächtnis mal werden?
Konstantin grinst: „Formel-1-Pilot.“
Quelle: Bild-Zeitung
Dorothea ist Weltmeisterin im Merken
27. Oktober 2008
Erfolge für deutsche Gedächtnissportler aus den neuen Bundesländern bei Weltmeisterschaften in Bahrain: Die Deutsche Jugendmeisterin Dorothea Seitz (15) aus Torgelow wurde Weltmeisterin der Junioren (13 bis 18 Jahre). In zehn Disziplinen traten die Gegner an. Es ging um Zahlen, Wörter, ganze Texte, Spielkarten und Gesichter.
In den letzten Tagen vor der Weltmeisterschaft hatte sie fast nur noch geübt – so wie vor jedem Wettkampf. Im Frühjahr hat sie sich den Pokal bei der Norddeutschen Gedächtnismeisterschaft gesichert. 2007 war sie Vierte bei den “Memo-Meisterschaften” geworden.
Der deutsche Kindermeister Konstantin Skudler aus Berlin holte den Titel in der Kinderkategorie. Der Neunjährige aus der Hauptstadt lernte.
Der deutsche Kindermeister Konstantin Skudler aus Berlin holte den Titel in der Kinderkategorie. Der Neunjährige aus der Hauptstadt lernte beispielsweise innerhalb einer halben Stunde 513 Binärzahlen (Einsen und Nullen) in der richtigen Reihenfolge auswendig.
Bei den Erwachsenen musste sich der amtierende Weltmeister Gunter Karsten aus Erfurt im Zehnkampf diesmal dem Briten Ben Pridmore geschlagen geben.
Quelle: Schweriner Volkszeitung
Mit Memory-Effekt zum Superhirn
26. Oktober 2008
Bereits ab dem 25. Lebensjahr baut das Gehirn ab – aber was tun gegen die zunehmende Vergesslichkeit? Hirnjogging mit Hilfe von Kreuzworträtseln oder Sudoku ist gut. Doch der profane Kaffeeklatsch oder auch das gute alte Memory-Spiel sind das beste Training für das Gehirn, sagen Experten.
Wie war noch gleich Ihr Name?“ Wo liegt meine Brille? Und wann war der Geburtstag vom Schwager? Ab dem 25. Lebensjahr schlägt die Vergesslichkeit zu. Das Gehirn baut langsam ab, Synapse für Synapse, Zelle für Zelle. Ein natürlicher Prozess, der Schuld ist an vielen Unsicherheiten, peinlichen Versprechern und verschusselten Schlüsseln. Der physiologische Sinn dahinter ist – außer dass die Hirnzellen irgendwann erschöpft sind –, dass ein Gehirn sich einfach nicht unendlich viel merken kann. Und leider kann niemand das Vergessen, sei es normal oder, wie bei Demenz, krankhaft beschleunigt, stoppen.
Bremsen allerdings schon. „Man muss die richtigen Methoden anwenden“, sagt Professor Henning Scheich, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg. Und eine richtige Methode ist, wie Studien zeigen, nicht das exzessive Knobeln über Zahlen- oder Kreuzworträtseln. „Dass das nicht so viel bringt, erklärt sich ganz einfach durch die Funktions- und Speicherart des Gehirns“, sagt der Neurologe.
Wie das Gehirn Informationen speichert, lässt sich am Beispiel von Zahlenreihen erklären. Viele Menschen können sich solche abstrakten Zeichen nur schwer merken. „Wenn sie sich aber ein System aufbauen, bei dem sie beispielsweise bestimmte Orte in ihrer Stadt mit Ziffern belegen, den Dom mit der Eins, den Bahnhof mit der Zwei und den Volkspark mit der Drei, dann hilft das beim Merken der Zahlen“, erklärt Scheich. Wer sich die Zahlenreihe 312 merken will, muss sich einfach einen Spaziergang vom Park über den Dom zum Bahnhof vorstellen. „Mit solchen Methoden merken sich Teilnehmer von Gedächtnisolympiaden innerhalb von zwei bis drei Minuten Reihen von über 40 Ziffern“, sagt Scheich. Das funktioniert deshalb so gut, weil die Zahlen durch die Verknüpfung mit Orten nicht länger abstrakte Zeichen sind. Sie werden vielmehr mit Bildern und Emotionen verbunden – und emotionalen Input mag das Gehirn. Dinge, die wir mit etwas Persönlichem verbinden, speichern wir besser. „Deshalb funktioniert das biografische Gedächtnis auch so gut“, sagt Scheich.
Das Gedächtnis baut sich aus Superkurzzeit-, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis auf. Alle Eindrücke werden innerhalb von Millisekunden von den Sinnesorganen ins Gehirn geleitet. Ein kurzes Aufflackern der Neurone, ein paar Impulse im Nervenzellennetzwerk – und schon sind die meisten wieder verschwunden. Eindrücke hingegen, die mit Gefühlen, Gerüchen oder anderen Emotionen kombiniert aufgenommen werden, haben eine Chance, über das Kurzzeit- sogar ins Langzeitgedächtnis gespeichert zu werden. „Sinnvollerweise funktioniert das nicht nur bei Freude und Begeisterung, sondern besonders bei Gefühlen wie Angst oder Schmerz“, sagt Henning Scheich. „Ein gebranntes Kind meidet das Feuer, heißt es ja auch so schön.“
Eine Hypothese dazu, wie das Gedächtnis genau aufgebaut wird, besagt, dass nicht an einer bestimmten Stelle beispielsweise eine Vokabel gespeichert wird, sondern immer an mehreren Stellen gleichzeitig. „Sehr basale Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens immer wieder gemacht haben, sind offenbar so umfassend gespeichert, dass sie kaum mehr zu löschen sind“, sagt Scheich. Deshalb sei das regelmäßige Wiederholen von Lerninhalten, wenn auch lästig, doch notwendig. Die Umbauprozesse, die an den Synapsen der Nervenzellen ablaufen und das Langzeitgedächtnis bilden, dauern offenbar mehrere Tage. „Wiederholt man das Gelernte in dieser Zeit, kann man den Umbau intensivieren“, sagt Scheich. „Deshalb ist Üben und Wiederholen für den Aufbau des Gedächtnisses von großer Bedeutung.“
Mit Emotionen besser speichern
Dass emotionale Eindrücke besser gespeichert werden, liegt daran, dass die emotionalen Systeme des Gehirns die Umbauprozesse an den Synapsen gezielt verstärken. Auch wenn Neurobiologen und Psychologen noch längst nicht entschlüsselt haben, wie der Speicherprozess im Detail funktioniert, helfen diese Erkenntnisse doch, schlechte von guten Strategien gegen das Vergessen zu unterscheiden.
Generell gilt: Alles, was mit Emotionen verknüpft ist, wird besser gespeichert. Entsprechend bringen Trainingsprogramme, die immer gleich ablaufen, seien es Computerspiele oder Kreuzworträtsel, weniger für die Hirnfitness als ein Treffen mit Freunden oder eine Diskussionsrunde unter Kollegen. „Es ist wichtig, dass man nicht in standardisierte Abläufe hineingerät“, sagt Professor Wolfgang H. Jost von der Deutschen Parkinson Gesellschaft. Von Parkinsonpatienten weiß er, dass auch, wer schon vergesslich ist, trotzdem sein Gehirn noch trainieren kann. „Selbst bei schweren Demenzen können noch immer Synapsen im Gehirn gebildet werden“, sagt der Neurologe.
Mit diesen Verbindungsstellen bilden die Gehirnzellen immer neue, weitverzweigte Netze. Wer sein Gehirn aber mit immer ähnlichen Aufgaben konfrontiert, baut kein weitverzweigtes Netz auf, sondern nur wenige Straßen. „Das beste Training für das Gehirn ist Kommunikation“, sagt Jost. „Wer mit anderen Menschen viel redet, bekommt ständig eine Fülle von Eindrücken, die emotional aufgeladen sind und damit besser gespeichert werden können.“ Der Kaffeeklatsch, eine Diskussionsrunde oder auch das gute alte Memory-Spiel mit Freunden sind das beste Training für das Gehirn.
Zudem sind diese emotional gelernten Inhalte leichter wieder abrufbar. Bei Demenzkranken ist häufig zunächst das Kurzzeitgedächtnis gestört. An länger zurückliegende Erlebnisse können sie sich oft noch erinnern. Ist eine Demenz fortgeschritten, so können die Erinnerungen, auf die die Patienten immer seltener zugreifen können, durch emotionales Erleben geweckt werden: Der Duft von Rosen kann die Erinnerung an den längst vergessenen Hochzeitsstrauß plötzlich wieder wach werden lassen. Das Prinzip des emotional und sensorisch aufgeladenen Lernens und Erinnerns funktioniert. Um etwas richtig zu lernen, müssen wir es auch begreifen. „Wer dabei ein Aha-Erlebnis hat, stimuliert damit sein internes Belohnungssystem“, sagt der Gedächtnisexperte Henning Scheich.
Quelle: Berliner Morgenpost
Merkwürdiger Sport
23. Oktober 2008
Andere ziehen ihre Laufschuhe an, Dorothea Seitz setzt ihren Gehörschutz auf für eine bessere Konzentration. Sie betreibt Gehirnjogging. Das ist der merkwürdige Lieblingssport der 15-Jährigen aus Torgelow. Und den betreibt sie äußerst erfolgreich. Jetzt will sie bei der Gedächtnis-Weltmeisterschaft den Titel erringen und nach Hause tragen. Gestern hat sie den Flieger ins Königreich Bahrein im Persischen Golf bestiegen. Heute sitzt Doro mit jugendlichen und erwachsenen Gedächtnisakkrobaten aus der ganzen Welt zusammen. In zehn Disziplinen treten die Gegner an. Es geht um Zahlen, Wörter, ganze Texte, Spielkarten und Gesichter.
Doros Welt
Daraus besteht Doros Welt. In die taucht sie ein, wenn sie ihren Gehörschutz aufsetzt. Akustisch abgeschirmt wandelt sie hier Informationen in Bilder um. So wird eine “Karo 4″ schnell zur Karotte, gemeinsam mit der “Herz 3″, einem Hamburger, entsteht so eine Mahlzeit. In ihrer Fantasie ersinnt sich Doro eine Geschichte. Auf diese Weise prägt sie sich eine Kartenreihe ein. Immer mit dem Blick auf die Stoppuhr neben ihr auf dem Tisch. Ihr Anker zur Realität, der Doro anzeigt, wie lange sie trainieren darf.
Für ihr Gedächtnistraining benutzt sie auch reale Orte aus ihrer Umgebung und baut sie in ihre Gedankenwelt ein. Routentechnik nennt sie das. Dazu ordnet sie ihr vertrauten Orten Begriffe zu. Treffpunkte mit Freunden und Lieblingsplätze verknüpft sie zu einer Erinnerungsroute. Im Geist schreitet sie die in einer bestimmten Reihenfolge ab. 970 Plätze sind in ihrer Fantasie mit Gegenständen und Worten verbunden. Diese Gedächtnis-Inseln werden ihr im Staat Bahrein eventuell zum WM-Titel verhelfen.
Superhirn?
Angefangen hat alles vor knapp zwei Jahren. Zum 14. Geburtstag lag ein Buch über Gedächtnissport auf Doros Gabentisch. Das habe sie verschlungen, sagt sie. Gehirnakrobatik wurde schnell zu ihrem Hobby. Wenn andere ihre Muskeln stärken, trainiert Doro ihren Kopf. Viele können damit nichts anfangen, sagt sie, auch ihre Eltern stehen vor einem Rätsel. Doro kann sich selbst nicht erklären, was in ihrem Kopf abgeht. Warum ausgerechnet sie sich so viel merken kann. Viele hielten sie für eine Streberin, für ein Superhirn. Aber so sieht sie sich nicht. Eigentlich könne das jeder, sagt sie. Und jeder profitiere davon. Klar, trainieren muss man das.
In den letzten Tagen vor der Weltmeisterschaft hat sie fast nur noch geübt – so wie vor jedem Wettkampf. Im Frühjahr hat sie sich den Pokal bei der Norddeutschen Gedächtnismeisterschaft gesichert. 2007 war sie Vierte bei den “Memo-Meisterschaften” geworden.
Gedächtnis-Zentrum
Dabei ist Doro eigentlich eine fast normale 15-Jährige. Sie besucht die zehnte Klasse des Internatsgymnasiums Torgelow. Die Schule im Müritzkreis ist bekannt für ihre Gedächtnissportler. Schon vor zwei Jahr war Katharina Bunk, ebenfalls Schülerin in Torgelow, zum zweiten Mal die Norddeutsche Juniorenmeisterin geworden. Sie gehört zu den besten 20 der ewigen Weltrangliste und hatte sich 2005 den Weltmeistertitel in London gesichert.
Quelle: Nordeutsche Neue Nachrichten
Johannes Mallow reist als einer der Favoriten nach Bahrain
22. Oktober 2008
RATHENOW – Johannes Mallow wird am kommenden Wochenende schwer ins Grübeln kommen. Und das nicht, weil der Doktorand an der Universität Magdeburg (Fachrichtung Kommunikationstechnik) irgendwelche fachspezifischen Probleme an seiner Hochschule zu lösen hätte. Die grauen Zellen des 28-Jährigen geraten in Bewegung, weil er an der Weltmeisterschaft der Gedächtnissportler teilnimmt.
Heute fliegt Johannes Mallow von Frankfurt/Main los. Der Donnerstag im Wüstenstaat dient der Akklimatisierung. Am Freitag starten die Wettkämpfe. Bis Sonntagmittag wird Mallow in insgesamt zehn Disziplinen sein Bestes geben.
Bei dem geistigen Zehnkampf geht es um Merkfähigkeit. Ziffern, Spielkarten und fiktive Ereignisse müssen verinnerlicht werden. Manchmal haben die Wettkämpfer fünf Minuten Zeit, sich die Dinge zu merken, manchmal werden ihnen 30 Minuten gewährt. Danach muss das Verinnerlichte fehlerfrei wiedergegeben werden.
Johannes Mallow, der seit rund fünf Jahren intensiv Gedächtnissport betreibt, hat es in dieser Zeit zu einigem Ruhm gebracht. In Tuttlingen gewann er in diesem Sommer die Deutsche Meisterschaft, bei den Weltmeisterschaften in Bahrein wurde er im vergangenen Jahr Sechster. Außerdem gelang ihm dort in der Teildisziplin „Historische Daten“ ein fulminanter Weltrekord. Nach fünf Minuten Merkzeit hatte Mallow von 110 fiktiven Ereignissen 99 richtig wiedergegeben. Das war zuvor noch niemandem gelungen.
In Tuttlingen stellte er im „Zahlenmarathon“ eine neue persönliche Bestleistung auf, indem er nach 30 Minuten Merkzeit sage und schreibe 1046 Ziffern hintereinander weg rezitierte. Es sind vor allen Dingen die „Marathon“-Disziplinen mit 30 Minuten Merkzeit, in denen der Rathenower sich in den vergangenen zwei Jahren enorm verbessert hat. Im „Sprint“, bei dem es nur fünf Minuten Merkzeit gibt, war er schon vorher sehr gut.
Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Mallow als einer der Favoriten nach Bahrain reist. In der aktuellen Weltrangliste der Gedächtnissportler wird er derzeit auf Rang 4 geführt. Er selber geht selbstbewusst in das Turnier. „Von Platz 1 bis Platz5 ist alles möglich“, sagt er. Es hänge stark von der Tagesform ab, was am Ende herauskomme. Und von der Konkurrenz. Vor allem die Chinesen seien sehr schwer einzuschätzen.
Landet Mallow ganz vorne, dann kann sich das auch finanziell lohnen. Im vergangenen Jahr heimste der Gewinner 10000 Dollar ein, Johannes Mallow bekam für seinen sechsten Platz 1000 Dollar. Angesichts der Tatsache, dass Mallow die Reisekosten aus eigener Tasche bestreiten muss, relativieren sich diese Summen allerdings.
Von Markus Kniebeler
Quelle: Märkische Allgeimeine
Gedächtnis, Gedächtnissport, NIC Niebüll
12. Oktober 2007
Köpfe rauchen beim Training für den Marathon
Niklas, Thore und Mia sind gespannt auf ihr Abschneiden bei den Norddeutschen Gedächtnismeisterschaften
Niebüll – Im Nordfriesischen Innovations-Center (NIC) in Niebüll werden am kommenden Wochenende die Köpfe rauchen bei den fünften Norddeutschen Gedächtnismeisterschaften. Sie finden zum ersten Mal in Schleswig-Holstein statt.
Vor Niklas Bünter, Thore Rathsack und Mia Körkemeyer liegen A 4-Bögen, die von oben bis unten mit kleinen Porträtfotos und Namen bedruckt sind. Die müssen sich die drei Schüler innerhalb kürzester Zeit einprägen und in richtiger Reihenfolge aus dem Gedächtnis wiedergeben. Ihr Lehrer, Jürgen Petersen, legt zur Demonstration einen weiteren Bogen auf den Tisch, auf dem in wahlloser Folge 1 000 Zahlen in 25 Reihen abgedruckt sind. Es gibt Leute, die können dieses Zahlenwerk nach einer gewissen Zeit aus dem Kopf wiedergeben.
Für die drei Teilnehmer an den diesjährigen Meisterschaften aus der Region ist das aber noch zu früh. Sie sind „Newcomer“. Die Gymnasiastin des 12. Jahrgangs, Mia Körkemeyer, befasst sich erst seit kurzem mit der Technik des Behaltens. Auch die beiden elfjährigen Jungen Niklas von der Friedrich-Paulsen-Schule und Thore von der Niebüller Realschule trainieren ihr Gedächtnis erst seit den Herbstferien vergangenen Jahres. Niklas hat sich mit dem Gedächtnissport-Virus von seiner Schwester Stephanie anstecken lassen. Sie ist die Weltmeisterin der Kinder aus dem Jahr 2005.
Dass durchtrainierte „graue Zellen“ von Vorteil in der Schule sind, erklärt sich von selbst. Jürgen Petersen: „Man kann die Technik bis ins hohe Alter anwenden und beugt damit ein Stück weit Demenzkrankheiten vor“.
Zu den drei Schülern aus der Region, die an den Meisterschaften teilnehmen, gesellt sich die 14-jährige Nicole Nielsen von der Lecker Realschule. Die Technik des Behaltens, die man nicht wieder verlernt, ist ganz einfach, sagt Petersen, der seinen Job als Landwirt an den Nagel gehängt und sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Will man Zahlen oder Begriffe auswendig lernen, sollte man sich ein Bild dazu merken. Der Eigenname Lübke könnte mit dem Namen der Stadt Lübeck belegt werden, den jeder kennt. Auf diese Weise kann sich ein „Merkkünstler“ aus Spanien 23 000 Begriffe merken. 36 Stunden braucht er fürs Einprägen…
Der Gedächtnismarathon in Niebüll mit 20 Teilnehmern beginnt am kommenden Sonnabend, 21. April, um 9.30 Uhr im NIC und endet am Sonntag (22.) gegen 17 Uhr. Zuschauer sind willkommen. Am Sonnabend wird die Öffentlichkeit außerdem zu einer großen Zauber- und Gedächtnisshow in das Autohaus Kornkoog in der Bahnhofstraße 28 in Niebüll eingeladen. Beginn ist um 19.30 Uhr. Das Programm beginnt mit der Siegerehrung der Kinder- und Jugendwettbewerbe. Weltrekordler und „Wetten, dass“- Teilnehmer bieten eine atemberaubende Gedächtnisshow.
Das Nordfriesische Zahlengenie Karl-Heinz Christensen aus Lütjenhorn zeigt, dass man auch mit 68 Jahren sein Gedächtnis zur Höchstform trainieren kann. Zu guter Letzt wartet noch Zauberer Arrani mit perfekten Illusionen auf. In der Pause werden kleine Snacks gereicht.
Ursula Konitzki
Quelle: Nordfriesland Tageblatt
Deutschland sucht das Superhirn
30. Juli 2007
Von Martin Kotynek / SZ vom 30.07.2007
Denksport für Fortgeschrittene: Mit Phantasie und Konzentration siegt Gunther Karsten bei der Deutschen Gedächtnismeisterschaft.
Denksport für Fortgeschrittene: Mit Phantasie und Konzentration siegt Gunther Karsten bei der Deutschen Gedächtnismeisterschaft.
Auf die Zellen, fertig, los” lautet das Kommando bei der zehnten Deutschen Gedächtnismeisterschaft. Die grauen Zellen sind es auch, die bei dem Wettbewerb gefragt sind. Sofort setzen die sechzehn Teilnehmer schalldichte Kopfhörer auf. Einige von ihnen tragen Spezialbrillen, die das Sichtfeld einengen.
Nichts soll sie von den Listen ablenken, die auf den Tischen vor ihnen liegen. Sie sind mit tausenden Ziffern vollgeschrieben – es gilt, diese in einer halben Stunde auswendig zu lernen und später fehlerfrei wiederzugeben. Gunther Karsten kann das am besten.
Der 45-jährige Patentübersetzer aus Erfurt merkt sich 1160 Ziffern und stellt damit einen neuen Weltrekord auf. Und weil er sich auch die Reihenfolge von 577 Spielkarten und 244 abstrakte Bildkombinationen einprägen kann, holt sich der älteste Teilnehmer den Titel des Gedächtnismeisters.
“Jeder kann die nötige Technik erlernen”
Seit dem ersten Wettkampf im Jahr 1997 ist Karsten dabei, acht Mal hat er die Meisterschaft seitdem gewonnen. Doch man müsse kein Super-Hirn sein, um solche Leistungen zu vollbringen, sagt Karsten: “In ein paar Wochen kann jeder die nötige Technik erlernen.”
Die für den Wettkampf entscheidende Geschwindigkeit sei dann eine Frage der Übung – eine Stunde trainiert der promovierte Chemiker täglich. “Intelligenz ist keine Voraussetzung.
Einen Vorteil haben vielmehr phantasievolle Menschen”, sagt Karsten. Denn Kreativität und ein gutes Vorstellungsvermögen sind gefragt, um sich die Reihenfolge tausender Ziffern einprägen zu können. Statt die Zahlenreihen auswendig zu lernen, denken sich die Gedächtnissportler Bilder aus, die das Gehirn viel besser speichern könne, sagt Karsten.
Wie das funktioniert, demonstriert Simon Reinhard. Erst vor zwei Jahren hat der 28-jährige Student der Rechtswissenschaften zu trainieren begonnen, in Tuttlingen erreicht er den dritten Platz.
“01000101001″ steht in der ersten Zeile auf dem Zettel vor ihm. Doch Reinhard liest statt dessen “Mem”: “Ich fasse immer drei oder vier Ziffern zu einem Buchstaben zusammen und bilde daraus ein Wort – in diesem Fall eine Memme.” Die setzt er im Geiste auf eine Parkbank, an der er auf seinem ehemaligen Schulweg vorbei kommt. “Nachher gehe ich den Weg ab und erinnere ich mich so an die Reihenfolge der Begriffe”, sagt Reinhard. Die übersetzt er wieder zurück in Nullen und Einsen – so merkt er sich am Freitag 2130 Binärzahlen in einer halben Stunde.
Das sind Leistungen, die in den Anfängen des Gedächtnissportes noch als unmöglich galten. “Es ist unglaublich, dass immer noch Steigerungen möglich sind”, sagt Tony Buzan. Der Brite hat die weltweiten Gedächtnismeisterschaften im Jahr 1991 gegründet und ist davon überzeugt, dass jeder sein Gedächtnis trainieren kann.
Für ihn ist es “zwar normal, aber nicht natürlich”, dass das Gehirn im Alter an geistiger Leistungsfähigkeit verliert. “Der älteste Teilnehmer, Gunter Karsten, hat gewonnen. Das widerspricht allen Vorurteilen”, sagt Buzan. Wer sich sein Gehirn zum Hobby mache, könne dem schleichenden geistigen Verfall Einhalt gebieten.
Den Fans des geistigen Sportes wurde am Wochenende einiges geboten: Insgesamt sechs Weltrekorde, sowie zwei deutsche Rekorde stellten die Gedächtnissportler auf – das sind mehr Rekorde als bei den Olympischen Winterspielen 2006. Die Zuschauer applaudierten begeistert – fünf waren es an der Zahl. Im Hirnsport geht es eben beschaulich zu.
Quelle: SZ
5. Norddeutsche Gedächtnis- Meisterschaft
24. April 2007
Gedächtnistraining fürs Gehirn “Von Spielkarten und historischen Daten”
19 Teilnehmer aus sechs Bundesländern kämpften in diesem Jahr in Niebüll bei den 5. Norddeutschen Gedächtnis-Meisterschaften um Ehre und Titel.
Niebüll/kon
Niklas Rohde stützt seinen Kopf in beide Hände. Seine Füße wippen nervös. „Noch eine Minute“, sagt der professionelle Gedächtnis-Sportler und Trainer Jürgen Petersen nach dem Blick auf seine Stoppuhr. Noch eine Minute, um sich einen Stapel Spielkarten in der vorgegebenen Zufalls-Reihenfolge in wenigen Minuten zu merken. 19 Teilnehmer sind zu den 5. Norddeutschen Gedächtnis-Meisterschaften in das Nordfriesische Innovations-Center in Niebüll gekommen, darunter auch vier Nordfriesen aus Niebüll und Leck. Sie treten in verschiedenen Altersklassen gegeneinander an, um zu ermitteln, wer das Leistungspotenzial seines Gehirns am besten voll ausnutzen kann. Es gilt nämlich, einen zweiten Spielkarten-Stapel in fünf Minuten genauso zu sortieren wie den ersten.
Patrick Fege aus Nordrhein-Westfalen geht die Sache ruhig an. Der Junge wird am Ende Zweiter bei dieser Meisterschaft – in der Gruppe der Sechs- bis Zwölfjährigen. Den ersten Platz erreicht in dieser Klasse Anna Sophie Barwinski: Sie ist damit Norddeutsche Gedächtnis-Meisterin und kommt ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen. Den dritten Platz hat sich der Niebüller Niklas Bünter erkämpft, gefolgt von Konstantin Skuler aus Berlin – mit acht Jahren der Jüngste beim Wettbewerb.
In der Klasse der Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren haben die Nordrhein-Westfalen ebenfalls die Nase vorn: Hier heißt der Norddeutsche Gedächtnis-Meister 2007 Mirco Scheffler. Ihm folgen auf Platz zwei Mia Körkemeyer aus Leck und auf Platz drei Philipp Boos aus Bonn. Mia Körkemeyer, die ihr Gedächtnis erst seit drei Wochen nach Jürgen Petersens Methode trainiert, ist mit einem zusätzlichen Pokal als beste „Newcomerin“ ausgezeichnet worden. In der Klasse der Erwachsenen gelingt es Johannes Mallow aus Brandenburg einen Rekord aufzustellen und sich nach 2006 auch in diesem Jahr den Meister-Titel zu sichern. Mallow kann sich 89 fiktive historische Daten in fünf Minuten merken. Der Weltrekord liegt bei 95 Daten. Platz zwei hat sich Boris Konrad aus Hattingen bei Dortmund gesichert und den dritten Platz die Ostfriesin Katrin Buhr.
Der spannende erste Tag endet mit einer Zauber- und Gedächtnisshow sowie der Siegerehrung. Während der Show beweist Gedächtnis-Künstler Karl-Heinz Christensen aus Lütjenhorn, dass auch ein 68-Jähriger ein leistungsfähiges Gehirn haben kann – wenn es trainiert wird. Ein Höhepunkt des Abends ist dann der Auftritt des Weltmeisters im Becherstapeln: Boris Konrad. Gedächtnis-Profi Franz-Josef Schumeckers bringt den Zuschauern seine Technik bei. Und Zauberer „Arrani“ aus Niebüll verblüfft seine gut 100 Zuschauer mit perfekter Illusion.
Quelle: Nordfriesland Tageblatt
Mädchen haben das bessere Gedächtnis
19. November 2006
Biberach an der Riß (dpa) Fünf der sechs besten jugendlichen Gedächtniskünstler in Deutschland sind Mädchen. Bei der 9. Deutschen Gedächtnismeisterschaft der Junioren in Biberach an der Riß (Baden- Württemberg) holte sich am Samstag die Favoritin Katharina Bunk (15) aus Bad Wörishofen in Bayern erneut den Titel “Deutsche Junioren- Gedächtnismeisterin”.
Katharina Bunk merkte sich 160 Ziffern, die im Abstand von nur einer Sekunde vorgelesen wurden. In der Disziplin “Datensprint” merkte sie sich in nur fünf Minuten 51 fiktive Geschichtsdaten. Mit diesen Werten hat die Bayerin auch gute Chancen auf den Weltmeistertitel 2007, der in London ermittelt wird. Die beste Gedächtnissportlerin in der Altersgruppe bis zwölf Jahren war Anna Sophie Barwinski (12) aus Neuenrade (Nordrhein-Westfalen).
20 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 17 Jahren nahmen an den Meisterschaften teil. Gedächtnistrainer Klaus Kolb, der Veranstalter der Gedächtnismeisterschaften, war von den Leistungen der jungen Teilnehmern überzeugt: “Diese Ergebnisse zeigen, dass ein exzellenter Nachwuchs heranwächst. So werden auch in Zukunft die deutschen Gedächtnissportler weiterhin an der Weltspitze mitmischen.”
Quelle: Märkische Oderzeitung
Hauptsache nicht gewöhnlich
6. November 2006
Von Katrin Zöfel / SZ vom 6.11.2006
Sie müssen sich die Abfolge von Pokerkarten, hundert gesprochene Zahlen oder Gesichter plus Namen merken: Gedächtnissportler. Die besten von ihnen aus Deutschland, Österreich und England haben sich gestern in einem Hotel in Weilimdorf gemessen.
Gedächtnismeister messen sich
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung vom 06.11.2006
Die 05 steht für TV-Richterin Barbara Salesch, wahlweise für eine Lee-Jeans. Die Zahl 24 symbolisiert einen Hofnarren oder eine Narrenkappe. Will Physikstudent Boris Konrad sich die Zahlenkombination 0524 merken, stellt er sich Barbara Salesch mit einer Narrenkappe vor. Für die 2405 erscheint vor seinem inneren Auge ein Hofnarr, der gerade dabei ist, sich in eine Lee-Jeans zu zwängen. “Jeder entwickelt sein eigenes System, um sich die Dinge zu merken”, erklärt Konrad. Je ungewöhnlicher die Eselsbrücke, desto besser funktioniere sie.
Konrad ist Präsident des Vereins MemoryXL, Deutschlands größtem Verein für Gedächtnis-Training. Zudem ist er Organisator der offenen Gedächtnismeisterschaften, die gestern im Holiday Inn in Weilimdorf stattgefunden haben. Selbst aus England und Österreich reisten die Wettkämpfer an. Monatelang haben die 20 Startenden trainiert, um im Wettbewerb die Reihenfolge von Pokerkarten blitzschnell aufzunehmen und wiederzugeben oder sich lange Zahlenreihen einzuprägen. Die Regeln im Wettkampf sind streng: Macht man in der langen Reihe von hundert Zahlen einen Fehler, zählen nur die bis dahin gemerkten Ziffern als richtig. Schleicht sich in der Kartenabfolge der Pokerkarten ein Fehler ein, vergibt die Jury die halbe Punktzahl. Zwei Fehler lassen die Punktzahl auf Null sinken.
“Das meiste ist Handwerk”, erklärt Physik-Student Konrad. Jeder, der sich die richtige Technik aneigne, könne schon bald echte Erfolge erreichen. “Man muss kein Zahlengenie sein, um sein Gedächtnis zu trainieren.” Konrad stieß im Internet auf MemoryXL. “Ich war kurz vor dem Abitur und wollte meine Lerntechnik verbessern”, erzählt er. Konrad blieb dabei und hält inzwischen den Weltrekord im Wörter memorieren. Er darf sich sogar Gedächtnisgroßmeister nennen.
Die Technik, Zahlen und Gegenstände miteinander zu verknüpfen – wie die 05 mit der Lee-Jeans – ist für einen Gedächtnissportler nur der erste Schritt. Die Reihenfolge von Zahlen prägt er sich ein, indem er sich auf einen imaginären Spaziergang zum Beispiel von seiner Haustüre zur Tür des besten Freundes begibt. “Was sich dort am Wegesrand findet, merkt man sich in der richtigen Reihenfolge”, erläutert Konrad. Taucht die 05 im Wettkampf auf, denkt sich Konrad blitzschnell eine Geschichte aus, warum die Lee-Jeans am Gartenzaun seiner Eltern auftauchen könnte. Folgt im Wettbewerb die 24, legt Konrad die Narrenkappe in Gedanken am Kiosk ab, der neben dem Garten steht.
Gedächtnissport ist viel kreativer als zum Beispiel Schach”, sagt Ben Pridmore. Der Engländer führt die Weltrangliste der Gedächtnissportler an. Beim Schach sei schon längst festgelegt, welche Wege die Figuren gehen könnten, im Gedächtnissport baue jeder sein eigenes System: “Es geht wirklich um Kreativität.” Der Engländer gehört zu den großen Alten des Wettbewerbs. 2000 stieß er auf den Mentalsport, 2002 beschloss Pridmore, Gedächtnisweltmeister zu werden, 2004 hatte er es geschafft. Warum es ihm gelang, und anderen nicht? “Man muss die richtige Art von Gehirn haben”, sagt der 30-Jährige. “Aber ich bin lange nicht mehr so gut, wie ich mal war.” An Wettkämpfen nimmt er immer noch teil, nicht nur aus Ehrgeiz: “Man trifft nette Menschen, das sind ganz besondere Charaktere.
An diesem Abend entscheidet Gedächtnisweltmeister Clemens Mayer den Wettkampf für sich. “Es war knapp, sehr knapp”, sagt der 21-jährige Jura-Student aus München im Rückblick. Erst die Königsdisziplin brachte ihm den sicheren Sieg: er merkte sich die Reihenfolge von 52 Pokerkarten, und das in gerade mal 49,8 Sekunden. Der aktuelle Weltrekord liegt bei 31,0 Sekunden.
Quelle: Katrin Zöfel / Stuttgarter Zeitung vom 06.11.2006
“Angelnde Maus auf der Türklinke”
23. Oktober 2006
Clemens Mayer, 21, ist Gedächtnisweltmeister 2006. Der Münchner Jurastudent setzte sich in London im Zehnkampf der Merkdisziplinen durch. Im Interview verrät er, wie man sich 1600 Ziffern einprägt und warum der Merk-Turbo bei Ärger oder Freude erst richtig zündet.

Mayer: Gedächtnissportler verbinden dazu die Zahlen mit Bildern und fügen die Bilder zu einer Geschichte zusammen. Jede zweistellige Zahl von 00 bis 99 ist für mich ein Symbol, die 14 beispielsweise der Affe, die 35 der Sportkletterer oder die 47 die Maus. Die Symbole sind fix, die Zahlenreihen natürlich nicht. Also ergibt jede Zahlenreihe eine neue Geschichte. Um nicht durcheinander zukommen, schreite ich im Geiste einen Weg ab, zum Beispiel durch meine Wohnung.
UniSPIEGEL: Wie sieht die Geschichte dann aus?
Mayer: Die Ziffernfolge beginnt beispielsweise mit 47 99 58. Die Zahl 99 ist für mich eine Angel, 58 Papier: Ich betrete meine Wohnung, auf der ersten fixen Station, der Türklinke, sitzt eine angelnde Maus. Dann gehe ich weiter zum Kleiderständer, der ist aus Papier und bricht zusammen, als ich die Jacke aufhängen will. Ich ärgere mich fürchterlich.
UniSPIEGEL: Warum der Ärger?
Mayer: Wer sich ärgert oder freut oder traurig ist, schaltet den Merk-Turbo ein. Das Gehirn kann sich viel besser an Situationen und Bilder erinnern, die mit Emotionen aufgeladen sind.
UniSPIEGEL: Eine WM-Disziplin ist, Binärzahlen zu memorieren. Nullen und Einsen lassen nicht viel Raum für Geschichten, oder?
Mayer: Doch, ich teile dazu die Zahl in Pakete von sechs Ziffern auf. Sechsmal die Null ist für mich ein Fußball, sechsmal die Eins eine Katze. 111111000000 ist also eine Katze, die Fußball spielt.
UniSPIEGEL: Woran erinnern Sie sich am liebsten?
Mayer: Meine Lieblingsdisziplin heißt “Namen und Gesichter”: Hier bekommen wir 100 Porträtfotos mit den dazugehörigen Namen gezeigt, später nur noch die Bilder in völlig veränderter Reihenfolge. Ich konnte in 15 Minuten 90 Porträts die richtigen Vor- und Nachnamen zuordnen, das ist Weltrekord.
UniSPIEGEL: Mit welcher Technik?
Mayer: Wieder mit Bildern, die ich mit einem auffälligen Merkmal verbinde. Eine Frau mit einer Perlenkette hieß zum Beispiel Inga Rabe. Das passende Bild war für mich also ein Rabe, der zur Frau hinfliegt und die Kette aufpickt – und der Rabe ist schadenfroh, er lacht sogar, als er sich davonmacht.
UniSPIEGEL: Können Sie noch normal mit Menschen reden, ohne sich Merkmale einzuprägen und sie mit Namen zu kombinieren?
Mayer: Ja. Wenn ich mir den Namen aber merken will, dann gelingt mir das. Genauso wie Handy-Nummern, falls nichts zum Schreiben zur Hand ist.
UniSPIEGEL: So ein Gedächtnis muss im Studium ungemein hilfreich sein, besonders in Jura.
Mayer: Es gibt mir schon Sicherheit, die Systematik im Griff zu haben, und das mit wenig Lernaufwand.
UniSPIEGEL: Was können vergesslichere Studenten von den Leistungssportlern lernen?
Mayer: Das Gedächtnis lässt sich durch Übung trainieren wie die Beine durch Radfahren. Am Anfang war ich schon froh, als ich mir eine zehnstellige Zahl merken konnte. Insgesamt lassen sich Texte besser einprägen, wenn man kreativ lernt und sie mit Leben füllt.
Quelle: UniSpiegel
Fräulein Beddies hat ‘ne Menge Grips
6. September 2006
Können Sie sich die folgende Kette aus 50 Binärzahlen merken? 0010110011 0110011011 0100011111 0100001010 0011101001. Zu schwierig? Cornelia Beddies kann sich eine Zahlenfolge merken, die aus mehr als zweieinhalbtausend Einsen und Nullen besteht. Kein Wunder, dass die Pfullingerin Gedächtnisweltmeisterin ist – mit gerade mal 17 Jahren. Bei der 15. Gedächtnis-WM in London im August landete Beddies auf dem sechsten Platz – und war damit die beste Frau.
“Ich habe vor zwei Jahren auf RTL die Grips-Show mit Günther Jauch gesehen. Die Zuschauer konnten bei vielen Gedächtnisaufgaben mitmachen. Ich habe nicht schlecht abgeschnitten – und danach begonnen, mein Gedächtnis regelmäßig zu trainieren.” Beddies besorgte sich die Bücher eines Gedächtnissportlers, der selbst sieben Mal deutscher Meister war. Und siehe da, die Anstrengungen der Gymnasiastin trugen Früchte: Bereits bei der WM 2005 konnte sie sich den dritten Platz in der Juniorenklasse sichern.
2006 hat Beddies nun bereits bei den Erwachsenen mitgemacht – und vor allem in einer Disziplin geglänzt: “Binärzahlen merken ist meine Lieblingsaufgabe, da bin ich wirklich gut.” In einer halben Stunde konnte sie sich eine Reihe von 2521 Einsern und Nullen merken – und landete hier auf Platz 4. Auch in den anderen neun Disziplinen schnitt Beddies bei den drei Tagen langen Wettkämpfen gut ab: Eine weitere willkürliche Zahlenabfolge, dieses mal aus allen Zahlen von 0 bis 9 bestehend, konnte Beddies bis zur 1278sten Ziffer memorieren. Oder: In gerade 15 Minuten prägte sie sich 105 Porträtfotos mit den dazu gehörenden Vor- und Nachnamen ein.
Nervös wird Beddies allerdings, wenn es um das Merken von Spielkarten geht. “Das verzittere ich regelmäßig.” Trotzdem: In einer Stunde konnte sie sich die Abfolge von mehr als 14 Karten-Stapeln merken – das sind mehr als 700 Spielkarten.
Kein Wunder, dass die Gymnasiastin besonders gut in Naturwissenschaften abschneidet – und damit das Klischee widerlegt, diese Fächer seien nur Männersache. Wobei: Bei der Gedächtnis-WM waren bei 33 Teilnehmern nur zehn Frauen dabei. “Ich könnte jetzt natürlich sagen, dass Männer eine bessere Begabung haben – aber da würde ich mir ja nur selbst schaden”, lacht Beddies. Gedächtnistraining ist übrigens nicht ihr einziges Hobby. Gerne geht sie auch Inline-Skaten, Radfahren – oder einfach nur mit Freunden aus. Die sind begeistert, dass ihre Freundin mit Grips nun ein Jahr lang den weltmeisterlichen Titel trägt.
Quelle: Stuttgarter Zeitung
Ass oder Dame – die Karten im Kopf
18. August 2005
Der Hattinger Boris Konrad nimmt an der Gedächtnis-WM in Oxford teil. Er ist ein Jongleur der Daten. Das “Superhirn” glänzte schon bei “Wetten, dass . . .” Schon mal in knapp 30 Sekunden die richtige Reihenfolge eines Kartenspiels mit 52 Blatt gemerkt? Nein? Unmöglich? Falsch! Der Hattinger Boris Konrad kann es- und deshalb nimmt er an diesem Wochenende an der Gedächtnis-Weltmeisterschaft in Oxford teil. Einen Zehnkampf wird der 21-Jährige bewältigen müssen. Zum Beispiel die Disziplin “Historische Daten”, in der er sich binnen fünf Minuten so viele fiktive Geschichtsdaten (Jahreszahlen und Ereignisse) wie möglich merken muss.
Oder die Disziplin “Wörter” – hier geht es darum, sich in einer Viertelstunde Wörter einzuprägen, die in keinerlei Zusammenhang stehen. In beiden Kategorien schnitt Konrad beider Deutschen Gedächtnis-Meisterschaften Darmstadt am besten ab. Insgesamt wurde er Dritter. Nur. Denn vor allem in seiner Lieblings-Disziplin, “Kartenspiel”, klappte es überhaupt nicht.Vor drei Jahren hat Boris Konrad den Gedächtnissport im Fernsehen entdeckt. “Danach habe ich mir alles mit Büchern selbst beigebracht.” Kurz vor dem Abitur war das, heute studiert er Physik und Informatik.
Hilft ihm die Technik also auch bei Prüfungen? “Gar nicht. Die Technik ist ja, sich etwas auf einem gewissen Weg einzuprägen. Und wenn man diesen Weg in einer Prüfung drei Minuten entlanggeht, sagt der Professor:Ihr Weg ist aus der Tür raus.” In Oxford will er seinen Weg wieder gehen, bei der 17. WM. Titelchancen? “Na, wenn man weiß, dass bisher immer Engländer gewonnen haben, glaubt man eher nicht daran.” Zumal auch die Konkurrenz aus Deutschland, dem teilnehmerstärksten Land, sehr groß ist.
Auf der Insel wurde der Gedächtnissport vor 20 Jahren erfunden, hier trifft sich die Elite Jahr für Jahr wieder. Mal in London, mal in Manchester, jetzt in der Universitätsstadt Oxford. Ein historischer Rahmen, in dem manch einer nervös wird. Nicht Boris Konrad. “Ist ja kein Fernsehen dabei”, sagt er. Das war im März 2004 ganz anders – damals hatte er nämlich einen großen Auftritt bei “Wetten, dass . . .?”. Fast 16 Millionen Zuschauer staunten, wie sich das Superhirn an 50 Tischen merkte, in welcher Ordnung Menschen mit Mineralwasser, Orangensaft und Rotwein im Glas sowie Pommes, Bratwurst und einem halben Hähnchen auf dem Teller zusammensaßen. 3000 Euro gewann er bei Gottschalk – so viel gibt es bei einer Weltmeisterschaft nicht.
Quelle: WAZ
Er kann sich einfach alles merken
24. Juli 2005
Gedächtnis-Künstler Boris Nikolai Konrad, Dritter bei Deutscher Meisterschaft
Der Hattinger Gedächtnis-Künstler Boris Nikolai Konrad hat bei den Deutschen Meisterschaften in Darmstadt den dritten Platz belegt. Jetzt fährt er zur WM. Sein größter Auftritt? Nein, der war bei “Wetten, dass . . .?”.Damals, im März 2004, war er richtig nervös, fast 16 Millionen Menschen saßen vor den Fernsehgeräten. Und trotz der Aufregung gelang es Boris Nikolai Konrad nahezu mühelos, sich 50 verschieden gedeckte Tische zu merken. 3000 Euro gewann er.
Darmstadt war anders. Die Gedächtnissportler waren unter sich. Etwa 30 machten mit, aufgeteilt in verschiedene Altersklassen. Der 21-jährige Hattinger war in der Hauptklasse dabei – er holte 5517 Punkte und belegte damit hinter Clemens Mayer (Brannenburg/7565) und Dr. Gunther Karsten (Erfurt/6822) den dritten Platz. Sein größter Erfolg bisher. “In zwei Einzel-Disziplinen habe ich sogar gewonnen”, erzählt Nikolai. Zum einen bei den historischen Daten, bei denen er sich in fünf Minuten fiktive Daten (Jahreszahlen und Ereignisse) einprägen musste – 71 gab er anschließend korrekt wieder. Zum anderen siegte er auch in der Disziplin Wörter. Dabei hatte sich der Student binnen einer Viertelstunde Listen mit Wörtern zu merken, die in keinem Zusammenhang zueinander stehen. “206 Wörter habe ich geschafft, dabei aber drei Fehler gemacht. Deshalb gab es nur 176 Punkte.” Erster in der Disziplin war er trotzdem. Insgesamt besteht der Wettkampf allerdings aus zehn Disziplinen. Und nicht in jeder hat es für ihn richtig gut geklappt. In seiner liebsten, Kartenspiel, beispielsweise überhaupt nicht. Boris Konrad musste sich die Reihenfolge eines Kartenspiels mit 52 Blatt so schnell wie möglich einprägen. Nach 38 Sekunden gab er sein Okay, vertauschte beim Aufzählen aber zwei Karten. Folge:Statt der möglichen 600 Punkte bekam er nur 80. Egal. Denn auch so war er stolz auf seine Platzierung, die er anderthalb Monate nach dem Gewinn der Norddeutschen Meisterschaft erzielte. Und in zwei Wochen steht sowieso schon der nächste Höhepunkt in Haus: Vom 13. bis 15. August findet nämlich im englischen Oxford die Weltmeisterschaft statt. Vor einem Jahr, bei der WM in Manchester, wurde Boris Nikolai Konrad Fünfter. Logisch, dass er sich verbessern möchte. Dritter vielleicht, wäre wieder so ein Ziel, “aber Erster, nein, das wird zu schwierig”. Nervös ist er nicht. Ist ja nur eine WM, ist ja kein Fernsehen dabei.
Der Gedächtnissport wurde vor etwa 20 Jahren in Großbritannien erfunden – und wird seither von Engländern dominiert. Nicht einmal hat ein Nicht-Engländer die Weltmeisterschaft, die bis auf eine Ausnahme immer in London, Manchester oder Oxford ausgetragen wurde, gewonnen. Und das, obwohl Deutschland inzwischen neben Österreich die meisten Teilnehmer zu den Titelkämpfen schickt. Aktueller Weltmeister ist Ben Pridmore.
Quelle: WAZ
Gedächtnis-DM war für Boris Konrad “unvergesslich”
5. Juli 2003
Alles nur eine Frage der Merk-Technik
Boris Nikolai Konrad kann sich sehr gut Dinge einprägen. Und zwar unfassbar viele. In unglaublich kurzer Zeit. Genau deshalb belegte der 19-jährige Hattinger nun bei seiner Premiere bei den Deutschen Gedächtnismeisterschaften auf Anhieb Platz acht. Ein im wahrsten Sinne des Wortes “unvergessliches” Erlebnis.
Zwei Stapel mit je 52 Karten liegen auf dem Tisch. Boris schnappt sich den ersten. Dieser wurde zuvor ebenso gewissenhaft wie kräftig durchgemischt. Dann fächert er den Haufen auf. Karte für Karte wandert von der einen Hand in die andere. Jede einzelne wird genau gemustert. Es folgt eine Wiederholung dieser Prozedur. Fertig! Zwei Minuten nach dem ersten Kontakt greift Boris zum zweiten Stapel. Und steckt die 52 Karten in exakt die Reihenfolge des ersten Haufens. Mal eben so. Als sei es nichts Besonderes. Ganz ohne Fehler. Ganz ohne Tricks. Denn statt faulen Zauber zu betreiben, vertraut das Gedächtnis-Ass lieber auf seine grauen Zellen. Und die scheinen hyperaktiv zu sein. Wie macht der das bloß? Diese Frage stellt sich ein jeder Betrachter, der Boris Konrad einmal beim tagtäglichen Training zugeschaut hat. “Ich gehe im Kopf eine bestimmte Route ab. Das kann etwa ein Rundgang durch die Wohnung sein. Entlang dieser Route habe ich feste Ablageplätze. Dort deponiere ich gedanklich das, was ich mir einprägen will – so dass ich es sofort abrufen kann”, erklärt der frisch gebackene Abiturient vom Gymnasium Waldstraße seine Technik.
Durch diese Verknüpfung von Bildern und Fakten würden, so Boris, beide Hirnhälften gleichzeitig in Anspruch genommen. Und deshalb erhöhe sich die Speicherkapazität. Normalerweise arbeitet die rechte nur bei kreativen und emotionalen Vorgängen, die linke bei logisch-rationalen. Und so wird aus zwei eigenständigen “Teilzeitarbeitern” ein kooperierendes Duo. Das richtige Sortieren von Karo-Bube, Herz-Dame und ihren 50 Artgenossen heißt im Fachjargon nur Karten-Sprint von Boris. Ausgerechnet hier patzte er bei den Titelkämpfen, deren insgesamt siebte Auflage Anfang des Monats in Weinheim (Baden-Württemberg) ausgetragen wurde. “Hätte ich beim Karten-Sprint wie gewohnt gut abgeschnitten, wäre ich in der Endabrechnung sogar fünfter geworden”, schaut der angehende Physik- und Informatik-Student etwas wehmütig zurück. “Aber immer hin hab’ ich ja eine der zehn Einzeldisziplinen gewonnen. Und dafür gab es auch eine Goldmedaille.” In jener Kategorie musste sich Boris innerhalb von nur 15 Minuten so viele Worte hintereinander merken wie möglich. Bei 141 liegt der deutsche Rekord. 140 schaffte er. Und die neue Bestleistung verfehlte er nur, weil ihm das verflixte Wörtchen “Russland” partout nicht mehr einfallen wollte. Ist diese Fähigkeit denn eine besondere Gabe? “Ein gewisses Talent und ein höherer Bildungsgrad sind hilfreich. Aber jeder Einzelne kann mit dieser Technik seine Gedächtnis-Kapazitäten in kurzer Zeit drastisch erhöhen”, behauptet Boris. “Man muss nur oft, lang und richtig trainieren.” Boris hat noch ein zweites großes Hobby: Er ist Fußball-Schiedsrichter. Pfeift für den VfL Winz-Baak Spiele bis zur Kreisliga A. Und hofft auf den baldigen Aufstieg in die Bezirksliga. “Die Antworten auf alle Regelfragen habe ich im Kopf”, stellt der Fan des VfL Bochum fest. Und Fußball-Kenner wissen, dass auch das nicht eben wenige sind. Genug geplaudert. Boris Nikolai Konrad verabschiedet sich höflich. Er muss zu einem Arzttermin. Den letzten hatte er neulich vergessen. . .
Quelle: WAZ





