Sudoku Wette
30. September 2006
Wetten, dass…? In der 163. Sendung am 30.09.2006 in Karlsruhe wettete Boris Nikolai Konrad aus Hattingen, dass er sich fünf ungelöste Sudokus einprägen kann und diese aus 100 gelösten Sudoku-Rätseln wiedererkennt.
Auf die Wette kam Boris Konrad als überlegte wie man Gedächtnistraining und Sudoku kombinieren könnte. Zuerst wollte er einfache Rätsel im Kopf lösen, aber das dauert zu lange. Daraufhin kam ihm die Idee, dass er sich ungelöste Rätsel einpräge und unter 100 gelösten Sudoku-Rätseln wiedererkennen könnte.
Die Wettpaten Oliver Kahn und Sönke Wortmann tippen: Ja, er schafft es.
Sie hatten recht.
Fräulein Beddies hat ‘ne Menge Grips
6. September 2006
Können Sie sich die folgende Kette aus 50 Binärzahlen merken? 0010110011 0110011011 0100011111 0100001010 0011101001. Zu schwierig? Cornelia Beddies kann sich eine Zahlenfolge merken, die aus mehr als zweieinhalbtausend Einsen und Nullen besteht. Kein Wunder, dass die Pfullingerin Gedächtnisweltmeisterin ist – mit gerade mal 17 Jahren. Bei der 15. Gedächtnis-WM in London im August landete Beddies auf dem sechsten Platz – und war damit die beste Frau.
“Ich habe vor zwei Jahren auf RTL die Grips-Show mit Günther Jauch gesehen. Die Zuschauer konnten bei vielen Gedächtnisaufgaben mitmachen. Ich habe nicht schlecht abgeschnitten – und danach begonnen, mein Gedächtnis regelmäßig zu trainieren.” Beddies besorgte sich die Bücher eines Gedächtnissportlers, der selbst sieben Mal deutscher Meister war. Und siehe da, die Anstrengungen der Gymnasiastin trugen Früchte: Bereits bei der WM 2005 konnte sie sich den dritten Platz in der Juniorenklasse sichern.
2006 hat Beddies nun bereits bei den Erwachsenen mitgemacht – und vor allem in einer Disziplin geglänzt: “Binärzahlen merken ist meine Lieblingsaufgabe, da bin ich wirklich gut.” In einer halben Stunde konnte sie sich eine Reihe von 2521 Einsern und Nullen merken – und landete hier auf Platz 4. Auch in den anderen neun Disziplinen schnitt Beddies bei den drei Tagen langen Wettkämpfen gut ab: Eine weitere willkürliche Zahlenabfolge, dieses mal aus allen Zahlen von 0 bis 9 bestehend, konnte Beddies bis zur 1278sten Ziffer memorieren. Oder: In gerade 15 Minuten prägte sie sich 105 Porträtfotos mit den dazu gehörenden Vor- und Nachnamen ein.
Nervös wird Beddies allerdings, wenn es um das Merken von Spielkarten geht. “Das verzittere ich regelmäßig.” Trotzdem: In einer Stunde konnte sie sich die Abfolge von mehr als 14 Karten-Stapeln merken – das sind mehr als 700 Spielkarten.
Kein Wunder, dass die Gymnasiastin besonders gut in Naturwissenschaften abschneidet – und damit das Klischee widerlegt, diese Fächer seien nur Männersache. Wobei: Bei der Gedächtnis-WM waren bei 33 Teilnehmern nur zehn Frauen dabei. “Ich könnte jetzt natürlich sagen, dass Männer eine bessere Begabung haben – aber da würde ich mir ja nur selbst schaden”, lacht Beddies. Gedächtnistraining ist übrigens nicht ihr einziges Hobby. Gerne geht sie auch Inline-Skaten, Radfahren – oder einfach nur mit Freunden aus. Die sind begeistert, dass ihre Freundin mit Grips nun ein Jahr lang den weltmeisterlichen Titel trägt.
Quelle: Stuttgarter Zeitung
Deutschland ist Weltmeister 2006
21. August 2006
Auf der Gedächtnisweltmeisterschaft 2006, die vom 19. bis 21. August im Imperial College in London (England) stattfand, konnte das aus 7 MemoryXL- Gedächtnissportlern bestehende deutsche Team an den großen Vorjahreserfolg anknüpfen und die Titel verteidige. Auf der offiziellen Gedächtnisweltmeisterschaft, welche vom 19. bis zum 21. August im Imperial College in London bereits zum 15. ausgetragen wurde, konnte die deutsche Gedächtnisnationalmannschaft erreichen, was die Fußballer knapp verpassten: Sie ist Weltmeister geworden.
In 10 verschiedenen Merkdisziplinen, wie dem Memorieren von Ziffern, Namen oder Spielkarten, verglichen die insgesamt 33 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Fähigkeiten! Ausrichter ist das World Memory Sports Council (WMSC) unter Leitung des berühmten britischen Gedächtnisexperten Tony Buzan.
Deutschland stellte 7 Teilnehmer, welche alle beim Verein MemoryXL e.V. trainieren. 2002 gegründet setzt sich dieser für die Verbreitung der Merktechniken, unter anderem in Schulen ein.
Nach drei Kräftezehrenden Tagen und zahlreichen Wechseln an der Spitze stieg Clemens Mayer (21), Student aus Brannenburg, auf den höchsten Platz des Podiums und wurde Gedächtnisweltmeister 2006!
Auch die deutsche Nationalmannschaft war erfolgreich: In der Nationenwertung werden die besten drei Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeder gestarteten Nation gewertet und Clemens Mayer, Dr. Gunther Karsten (44, Erfurt) und Boris Konrad (22, Hattingen) waren am besten! Hochdünn vor England konnte der Titel Mannschaftsweltmeister verteidigt werden. Als wäre das noch nicht genug, konnte auch Corelia Beddies (17, Pfullingen) auftrumpfen und wurde als Gesamt-Sechste Frauenweltmeisterin!
Bei den Junioren (Jahrgang 1989 und jünger) wurde Christof Beierle (16, Meinerzhagen) vor Tim Gehrken (13, Witten) Zweiter. Beide wurden nur geschlagen durch Corinna Draschl (16) aus Österreich.
Die Europäische Gesellschaft zur Förderung des Gedächtnisses e.V. wurde im Jahr 2002 nahe Weimar gegründet. Mit viel Enthusiasmus und Engagement sind wir die große Herausforderung angegangen, eine bundesweite Plattform für das Gedächtnistraining zu schaffen.
Wir wollen ähnlich dem Deutschen Schachverband möglichst viele begeisterte Anhänger der Gedächtnistechniken und des Gedächtnissports unter einem Dach vereinen. Als Verein mit anerkannter Gemeinnützigkeit verfolgen wir ideelle, und keine wirtschaftlichen Ziele.
Als Verein möchten wir etwas Positives in dieser Welt bewirken und haben viele Visionen für die Zukunft. Neben zahlreichen anderen, haben wir zwei wichtige Ziele in unserer Satzung fest verankert:
Zum einen werden wir die teilweise bereits vor Jahrhunderten erfundenen Techniken möglichst vielen Menschen, vor allem aber an Schüler vermitteln. Hierzu bilden wir Lehrer und andere Interessierte aus, die ihrerseits in Arbeitsgruppen an Schulen die Techniken an Jugendliche weitergeben. Zur Unterstützung haben wir umfangreiche, didaktisch durchdachte Arbeitsunterlagen erstellt.
Viele von uns hätten sich gewünscht, schon in der Schulzeit und Ausbildung diese äußerst effektiven Lernmethoden gekannt zu haben. Um wie viel leichter wäre es uns damals gefallen, beispielsweise Geschichtsdaten oder Vokabeln zu lernen und dabei auch noch Spaß zu haben. Das Wissen der Menschheit nimmt im rasantem Tempo zu: Es verdoppelt sich innerhalb von 10 Jahren!! Vielleicht ist es in ferner Zukunft sogar erforderlich, Gedächtnistraining als Pflichtschulfach einzuführen. Schließlich werden an die Menschen von morgen immer höhere Anforderungen gestellt – immer mehr Informationen müssen aufgenommen werden und abrufbar sein.
Zum zweiten bieten wir regelmäßig regionale und nationale (die deutsche Gedächtnismeisterschaft wird ausgerichtet von der GGK e.V.) sowie zu einem späteren Zeitpunkt auch internationale (z.B. europäische) Meisterschaften an. Viele von uns haben bereits an solchen Wettkämpfen teilgenommen und den Reiz und Spaß entdeckt, sich gegenseitig zu messen und zu immer neuen Rekorden anzustacheln. Wie in den körperlichen Sportarten auch wird sich das Gedächtnistraining immer mehr zu einer breiteren Bewegung entwickeln, bei der „Leistungssportler“ die Möglichkeiten des menschlichen Gedächtnisses aufzeigen und Deutschland im internationalen Vergleich vertreten.
Selbstverständlich schließt dieses Ziel auch ein, Personen mit körperlichem Handicap (z.B. Blinde) die Teilnahme an Wettkämpfen zu ermöglichen: Denn im Mentalsport misst man sich mit seinem Geist und nicht mit der körperlichen Hülle!
Wir freuen uns, auf unserem Weg bereits ein gutes Stück vorangekommen zu sein und sehen sehr gespannt und motiviert in die Zukunft.
Wir freuen uns über jeden Menschen, der unsere Ziele teilt.
Wir heißen auch Sie gern in unserer Organisation willkommen, unabhängig davon, ob Sie sich aktiv einbringen möchten, vielleicht sogar der kommende Nord- oder Süddeutsche Meister werden oder uns passiv unterstützen möchten.
In diesem Sinne schließen wir mit dem Startsignal der Meisterschaften:
Neurons-on-the-ready… Go!!
Michael Gloschewski
Vize-Präsident MemoryXL
Ass oder Dame – die Karten im Kopf
18. August 2005
Der Hattinger Boris Konrad nimmt an der Gedächtnis-WM in Oxford teil. Er ist ein Jongleur der Daten. Das “Superhirn” glänzte schon bei “Wetten, dass . . .” Schon mal in knapp 30 Sekunden die richtige Reihenfolge eines Kartenspiels mit 52 Blatt gemerkt? Nein? Unmöglich? Falsch! Der Hattinger Boris Konrad kann es- und deshalb nimmt er an diesem Wochenende an der Gedächtnis-Weltmeisterschaft in Oxford teil. Einen Zehnkampf wird der 21-Jährige bewältigen müssen. Zum Beispiel die Disziplin “Historische Daten”, in der er sich binnen fünf Minuten so viele fiktive Geschichtsdaten (Jahreszahlen und Ereignisse) wie möglich merken muss.
Oder die Disziplin “Wörter” – hier geht es darum, sich in einer Viertelstunde Wörter einzuprägen, die in keinerlei Zusammenhang stehen. In beiden Kategorien schnitt Konrad beider Deutschen Gedächtnis-Meisterschaften Darmstadt am besten ab. Insgesamt wurde er Dritter. Nur. Denn vor allem in seiner Lieblings-Disziplin, “Kartenspiel”, klappte es überhaupt nicht.Vor drei Jahren hat Boris Konrad den Gedächtnissport im Fernsehen entdeckt. “Danach habe ich mir alles mit Büchern selbst beigebracht.” Kurz vor dem Abitur war das, heute studiert er Physik und Informatik.
Hilft ihm die Technik also auch bei Prüfungen? “Gar nicht. Die Technik ist ja, sich etwas auf einem gewissen Weg einzuprägen. Und wenn man diesen Weg in einer Prüfung drei Minuten entlanggeht, sagt der Professor:Ihr Weg ist aus der Tür raus.” In Oxford will er seinen Weg wieder gehen, bei der 17. WM. Titelchancen? “Na, wenn man weiß, dass bisher immer Engländer gewonnen haben, glaubt man eher nicht daran.” Zumal auch die Konkurrenz aus Deutschland, dem teilnehmerstärksten Land, sehr groß ist.
Auf der Insel wurde der Gedächtnissport vor 20 Jahren erfunden, hier trifft sich die Elite Jahr für Jahr wieder. Mal in London, mal in Manchester, jetzt in der Universitätsstadt Oxford. Ein historischer Rahmen, in dem manch einer nervös wird. Nicht Boris Konrad. “Ist ja kein Fernsehen dabei”, sagt er. Das war im März 2004 ganz anders – damals hatte er nämlich einen großen Auftritt bei “Wetten, dass . . .?”. Fast 16 Millionen Zuschauer staunten, wie sich das Superhirn an 50 Tischen merkte, in welcher Ordnung Menschen mit Mineralwasser, Orangensaft und Rotwein im Glas sowie Pommes, Bratwurst und einem halben Hähnchen auf dem Teller zusammensaßen. 3000 Euro gewann er bei Gottschalk – so viel gibt es bei einer Weltmeisterschaft nicht.
Quelle: WAZ
Er kann sich einfach alles merken
24. Juli 2005
Gedächtnis-Künstler Boris Nikolai Konrad, Dritter bei Deutscher Meisterschaft
Der Hattinger Gedächtnis-Künstler Boris Nikolai Konrad hat bei den Deutschen Meisterschaften in Darmstadt den dritten Platz belegt. Jetzt fährt er zur WM. Sein größter Auftritt? Nein, der war bei “Wetten, dass . . .?”.Damals, im März 2004, war er richtig nervös, fast 16 Millionen Menschen saßen vor den Fernsehgeräten. Und trotz der Aufregung gelang es Boris Nikolai Konrad nahezu mühelos, sich 50 verschieden gedeckte Tische zu merken. 3000 Euro gewann er.
Darmstadt war anders. Die Gedächtnissportler waren unter sich. Etwa 30 machten mit, aufgeteilt in verschiedene Altersklassen. Der 21-jährige Hattinger war in der Hauptklasse dabei – er holte 5517 Punkte und belegte damit hinter Clemens Mayer (Brannenburg/7565) und Dr. Gunther Karsten (Erfurt/6822) den dritten Platz. Sein größter Erfolg bisher. “In zwei Einzel-Disziplinen habe ich sogar gewonnen”, erzählt Nikolai. Zum einen bei den historischen Daten, bei denen er sich in fünf Minuten fiktive Daten (Jahreszahlen und Ereignisse) einprägen musste – 71 gab er anschließend korrekt wieder. Zum anderen siegte er auch in der Disziplin Wörter. Dabei hatte sich der Student binnen einer Viertelstunde Listen mit Wörtern zu merken, die in keinem Zusammenhang zueinander stehen. “206 Wörter habe ich geschafft, dabei aber drei Fehler gemacht. Deshalb gab es nur 176 Punkte.” Erster in der Disziplin war er trotzdem. Insgesamt besteht der Wettkampf allerdings aus zehn Disziplinen. Und nicht in jeder hat es für ihn richtig gut geklappt. In seiner liebsten, Kartenspiel, beispielsweise überhaupt nicht. Boris Konrad musste sich die Reihenfolge eines Kartenspiels mit 52 Blatt so schnell wie möglich einprägen. Nach 38 Sekunden gab er sein Okay, vertauschte beim Aufzählen aber zwei Karten. Folge:Statt der möglichen 600 Punkte bekam er nur 80. Egal. Denn auch so war er stolz auf seine Platzierung, die er anderthalb Monate nach dem Gewinn der Norddeutschen Meisterschaft erzielte. Und in zwei Wochen steht sowieso schon der nächste Höhepunkt in Haus: Vom 13. bis 15. August findet nämlich im englischen Oxford die Weltmeisterschaft statt. Vor einem Jahr, bei der WM in Manchester, wurde Boris Nikolai Konrad Fünfter. Logisch, dass er sich verbessern möchte. Dritter vielleicht, wäre wieder so ein Ziel, “aber Erster, nein, das wird zu schwierig”. Nervös ist er nicht. Ist ja nur eine WM, ist ja kein Fernsehen dabei.
Der Gedächtnissport wurde vor etwa 20 Jahren in Großbritannien erfunden – und wird seither von Engländern dominiert. Nicht einmal hat ein Nicht-Engländer die Weltmeisterschaft, die bis auf eine Ausnahme immer in London, Manchester oder Oxford ausgetragen wurde, gewonnen. Und das, obwohl Deutschland inzwischen neben Österreich die meisten Teilnehmer zu den Titelkämpfen schickt. Aktueller Weltmeister ist Ben Pridmore.
Quelle: WAZ
Bestellungen Wette
27. März 2004
Wetten, dass…? In der 148. Sendung am 27.03.2004 in Basel wettete Boris Nikolai Konrad aus Hattingen, dass er sich wie ein Kellner Menüs und Getränke von 50 Gästen innerhalb von vier Minuten einprägen kann.
Die endgültige Zusage, dass ich hier in Basel dabei bin, hatte ich erst vor vier Wochen zuvor bekommen. Da wir zu Hause aber nicht so viele Essensportionen zur Verfügung hatten, mussten wir beim Üben improvisieren: Hähnchen haben wir aus Filtertüten geformt, gerolltes dunkles Papier auf Papptellern musste als Bratwurst herhalten und gefrorene Pommes Frites kamen auch zum Einsatz. Die drei Wochen vor der Show habe ich fast jeden Tag mit meiner Mutter geübt. Das ging ganz gut, da ich zum Glück noch Semesterferien hatte.
Der Wettpate Günther Jauch tippte auf: Nein das geht nicht
Er hatte unrecht und mußt die Schlussmelodie von “Wetten dass..?” mit der Blockflöte spielen.
Gedächtnis-DM war für Boris Konrad “unvergesslich”
5. Juli 2003
Alles nur eine Frage der Merk-Technik
Boris Nikolai Konrad kann sich sehr gut Dinge einprägen. Und zwar unfassbar viele. In unglaublich kurzer Zeit. Genau deshalb belegte der 19-jährige Hattinger nun bei seiner Premiere bei den Deutschen Gedächtnismeisterschaften auf Anhieb Platz acht. Ein im wahrsten Sinne des Wortes “unvergessliches” Erlebnis.
Zwei Stapel mit je 52 Karten liegen auf dem Tisch. Boris schnappt sich den ersten. Dieser wurde zuvor ebenso gewissenhaft wie kräftig durchgemischt. Dann fächert er den Haufen auf. Karte für Karte wandert von der einen Hand in die andere. Jede einzelne wird genau gemustert. Es folgt eine Wiederholung dieser Prozedur. Fertig! Zwei Minuten nach dem ersten Kontakt greift Boris zum zweiten Stapel. Und steckt die 52 Karten in exakt die Reihenfolge des ersten Haufens. Mal eben so. Als sei es nichts Besonderes. Ganz ohne Fehler. Ganz ohne Tricks. Denn statt faulen Zauber zu betreiben, vertraut das Gedächtnis-Ass lieber auf seine grauen Zellen. Und die scheinen hyperaktiv zu sein. Wie macht der das bloß? Diese Frage stellt sich ein jeder Betrachter, der Boris Konrad einmal beim tagtäglichen Training zugeschaut hat. “Ich gehe im Kopf eine bestimmte Route ab. Das kann etwa ein Rundgang durch die Wohnung sein. Entlang dieser Route habe ich feste Ablageplätze. Dort deponiere ich gedanklich das, was ich mir einprägen will – so dass ich es sofort abrufen kann”, erklärt der frisch gebackene Abiturient vom Gymnasium Waldstraße seine Technik.
Durch diese Verknüpfung von Bildern und Fakten würden, so Boris, beide Hirnhälften gleichzeitig in Anspruch genommen. Und deshalb erhöhe sich die Speicherkapazität. Normalerweise arbeitet die rechte nur bei kreativen und emotionalen Vorgängen, die linke bei logisch-rationalen. Und so wird aus zwei eigenständigen “Teilzeitarbeitern” ein kooperierendes Duo. Das richtige Sortieren von Karo-Bube, Herz-Dame und ihren 50 Artgenossen heißt im Fachjargon nur Karten-Sprint von Boris. Ausgerechnet hier patzte er bei den Titelkämpfen, deren insgesamt siebte Auflage Anfang des Monats in Weinheim (Baden-Württemberg) ausgetragen wurde. “Hätte ich beim Karten-Sprint wie gewohnt gut abgeschnitten, wäre ich in der Endabrechnung sogar fünfter geworden”, schaut der angehende Physik- und Informatik-Student etwas wehmütig zurück. “Aber immer hin hab’ ich ja eine der zehn Einzeldisziplinen gewonnen. Und dafür gab es auch eine Goldmedaille.” In jener Kategorie musste sich Boris innerhalb von nur 15 Minuten so viele Worte hintereinander merken wie möglich. Bei 141 liegt der deutsche Rekord. 140 schaffte er. Und die neue Bestleistung verfehlte er nur, weil ihm das verflixte Wörtchen “Russland” partout nicht mehr einfallen wollte. Ist diese Fähigkeit denn eine besondere Gabe? “Ein gewisses Talent und ein höherer Bildungsgrad sind hilfreich. Aber jeder Einzelne kann mit dieser Technik seine Gedächtnis-Kapazitäten in kurzer Zeit drastisch erhöhen”, behauptet Boris. “Man muss nur oft, lang und richtig trainieren.” Boris hat noch ein zweites großes Hobby: Er ist Fußball-Schiedsrichter. Pfeift für den VfL Winz-Baak Spiele bis zur Kreisliga A. Und hofft auf den baldigen Aufstieg in die Bezirksliga. “Die Antworten auf alle Regelfragen habe ich im Kopf”, stellt der Fan des VfL Bochum fest. Und Fußball-Kenner wissen, dass auch das nicht eben wenige sind. Genug geplaudert. Boris Nikolai Konrad verabschiedet sich höflich. Er muss zu einem Arzttermin. Den letzten hatte er neulich vergessen. . .
Quelle: WAZ





