Interview Dorothea Seitz von memory-sports.com
10. Juni 2009 von Michael Gloschewski
Diese Interview wurde von www.memory-sports.com in Kooperation mit Michael Gloschewski Gedächtnistrainer geführt.
Lesen Sie hier das Interview:
memory-sports.com Du gehst auf das Internat Schloss Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern. Welche Klasse bist du da?
Dorothea Seitz: In der zehnten Klasse. Ich habe noch zweieinhalb Jahre vor mir.
memory-sports.com Weißt du schon, was du nach der Schule machen möchtest?
Dorothea Seitz: Ich möchte Psychologie studieren und eventuell später in die Richtung Hirnforschung gehen.
memory-sports.com Seit wann trainierst du dein Gedächtnis?
Dorothea Seitz: Seit Anfang 2007. Ich habe im Internet darüber gelesen und mir ein entsprechende Buch gewünscht. Damit habe ich mir dann die Techniken selber beigebracht.
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memory-sports.com Was war das für ein Buch?
Dorothea Seitz: „Warum fällt das Schaf vom Baum?“ von Christiane Stenger. Es hat mich gleich begeistert, vor allem wie schnell man Fortschritte macht.
memory-sports.com Hättest du gedacht, dass du mal in die Fußstapfen von Christiane trittst und Jugendgedächtnisweltmeistern wirst?
Dorothea Seitz: Nein. Ich habe aber früher immer schon darüber nachgedacht, was für ein tolles Gefühl es wäre, in irgendetwas Weltmeister zu sein – aber ich hätte nicht gedacht, dass ich soweit kommen würde.
memory-sports.com Was ist deine Lieblingsdisziplin?
Dorothea Seitz: Als ich anfing, hab ich jeden Tag ausschließlich Binärzahlen geübt. Das ist ja eigentlich eine Disziplin, die für die meisten am wenigsten Sinn macht, aber ich fand es irgendwie toll.
memory-sports.com Hattest du bestimmte Erwartungen, als du jetzt bei der Norddeutschen Meisterschaft angetreten bist?
Dorothea Seitz: Ich habe immer viel zu hohe Erwartungen und schaffe diese dann nicht. Ich wollte bei den jugendlichen gewinnen und außerdem die 4.000 Punkte erreichen, die ich aber nicht geschafft habe. Und bei den Erwachsenen wollte ich oben mitmischen, um mich darauf einzustellen, wie es nächstes Jahr wird, wenn ich dann auch erwachsen bin.
memory-sports.com Genau, es ist ja jetzt das letzte Jahr für dich, wo du als Junior gewertet wirst. An welchen Turnieren wirst du dieses Jahr noch teilnehmen?
Dorothea Seitz: Ich möchte im Sommer nach Hamburg, zur Deutschen Meisterschaft und dann natürlich wieder zur WM nach Bahrain fliegen – erneut mein Glück versuchen.
memory-sports.com Du machst also wenn du nächstes Jahr 18 wirst weiter und hörst nicht am Zenit deines Erfolges auf?
Dorothea Seitz: Nein. Es ist zwar ziemlich bequem einfach aufzuhören und auf dem Titel sitzen zu bleiben. Aber der Wettkampf ist ja auch ein Kampf gegen sich selber. Ich möchte die Ziele, die ich mir gesetzt habe, schaffen und es mir selber beweisen. Es geht mir nicht darum, was die anderen darüber denken, sondern das zu erreichen, was ich anstrebe.
memory-sports.com Du hast bei der Norddeutschen Meisterschaft am zweiten Tag erneut teilgenommen und bist außer Konkurrenz gegen die Erwachsenen angetreten. Warum hast du dir diese Mühe gemacht?
Dorothea Seitz: Es gibt ja meistens nur drei Meisterschaften im Jahr. Und ich dachte mir, wenn ich schon nach Magdeburg fahre, kann ich auch das Doppelte machen. Außerdem wollte ich auch die Erwachsenen treffen, die am Sonntag angetreten sind und mich mit ihnen messen.
memory-sports.com Du hättest beim Erwachsenenturnier der Norddeutschen Meisterschaft den dritten Platz belegt und fast sogar den zweiten, wenn deine Ergebnisse gewertet worden wären. Gibt dir das Zuversicht, dass du auch bei den großen mitmischen kannst, sobald es nächstes Jahr losgeht?
Dorothea Seitz: Das hat mich ziemlich ermutigt, zumal ich am ersten Tag des Turniers noch mit Gedächtnissport aufhören wollte. Aber das geht mir bei jeder Meisterschaft so. Jetzt will ich aber weitermachen und bin hoch motiviert, weil ich einige Ergebnisse hatte, die ich vorher noch nie auf einer Meisterschaft geschafft habe. Ich bin eigentlich bei allem außer dem Kartensprint von meiner Leistung zufrieden.
memory-sports.com Du bist in einigen Disziplinen den meisten Erwachsenen Gedächtnissportlern auf der Welt überlegen, zum Beispiel mit 189 Wörtern in der Disziplin Random Words. Was sagst du dazu?
Dorothea Seitz: Ich glaube gerade Wörter liegen mir, weil das weniger mit dem Training zu tun hat, sondern viel mit dem natürlichen Gedächtnis. Bei Zahlen und Binärzahlen braucht man einfach viel mehr Training, um dort richtig gut zu sein. Ich mag lieber Disziplinen wie Text, wo man nicht viel Technik benutzen kann. Die sprachgebundenen Disziplinen gefallen mir generell viel besser.
memory-sports.com Würdest du gerne mal gegen deine Inspiration antreten – gegen Christiane Stenger?
Dorothea Seitz: Ja, aber ich glaube dass sie mittlerweile nicht mehr so fit ist. Sie tritt auch nicht mehr an und ich bezweifle, dass sich noch einmal die Gelegenheit bietet, dass wir uns messen können.
memory-sports.com Was wünscht du dir vom Gedächtnissport?
Dorothea Seitz: Mein Ziel ist es, mich auf der Weltrangliste zu verbessern, was zurzeit nicht geht, da die Ergebnisse der Junioren nicht dazu gewertet werden. Ansonsten mache ich weiter, weil ich die Leute toll finde und Spaß daran habe mein Gedächtnis zu trainieren und immer größere Herausforderungen zu haben.
memory-sports.com Hast du auch schon negative Erfahrungen mit dem Gedächtnissport erlebt?
Dorothea Seitz: Die meisten kennen den Sport nicht und finden es deshalb erst einmal komisch was ich mache. Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen Gedächtnissport kennen und darüber Bescheid wissen. Meine Klassenkameraden nennen mich immer „Gedächtnisweltmeisterin“ oder „Super-Brain“. Das meinen sie nicht unbedingt böse, aber es nervt halt, weil mich einige, die mich nicht näher kennen, darüber definieren.
memory-sports.com Glaubst du der Sport hätte das Potenzial zu einem Massensport zu werden?
Dorothea Seitz: Ich wünsche es mir. Ich sehe jedoch schon an meiner Schule, dass nur sehr wenige an unseren Gedächtniskursen teilnehmen, obwohl viele meiner Mitschüler hochbegabt sind und an Wissen interessiert sind. Es machen sich leider zu wenig die Mühe damit anzufangen. Ich fände es jedoch schön, wenn der Sport größer rauskommen würde.
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memory-sports.com Du folgst der Fährte von Christiane Stenger auch ein weiterer Hinsicht: Man munkelt, du schreibst zurzeit an einem Buch über Gedächtnistraining?
Dorothea Seitz: Ja, der Robert Verlag hat mich angeschrieben, ob ich ein Buch darüber verfassen möchte. Ich habe eingewilligt und den Vertrag unterschrieben. Jetzt mache ich mich ans Schreiben.
memory-sports.com Hast du jemanden der dir dabei hilft?
Dorothea Seitz: Nein, das mache ich ganz alleine. Ich werde zum einen auf die Geschichte der Mnemotechnik eingehen und zum anderen persönliche Erfahrung mit einfließen lassen.
Außerdem gehe ich auch auf Aspekte wie Schnelllesen, Kopfrechnen und weitere Möglichkeiten, um seine Hirnzellen zu trainieren, ein. Der Titel wird wahrscheinlich „Auf die Zellen, fertig, los“ lauten, weil das bei der Deutschen Meisterschaft das Startsignal ist. Ich möchte damit den Gedächtnissport bekannter machen und dass jene Leuten, die nie richtig verstanden haben, was ich da mache, kapieren wie es geht. Es wird voraussichtlich im April 2010 erscheinen.
memory-sports.com Wir sind gespannt. Vielen Dank für das Interview.


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