Merkwürdig

31. Oktober 2008

Unser Gehirn merkt sich besonders gut, was eigenartig, komisch, skurril ist. Denn das Gehirn entscheidet, was „würdig“ ist, um es sich zu „merken“. Daher das Wort „merkwürdig“.

Leider bringt es ja auch nicht viel, wenn man sich nur das Bekannte merken kann. Das Unbekannte müsste man sich merken können!

Doch da springt eine weitere Fähigkeit unseres Gehirns ein: die Assoziation. Mit dieser Fähigkeit ist es möglich, Unbekanntes mit Bekanntem zu verbinden, das heißt zu assoziieren.

Beim assoziativen Lernen gibt zwei Arten:

  1. das Kreieren von Zusammenhängen innnerhalb des zu merkenden Lernstoffes
  2. das Assoziieren mit dem bereits vorhanden Wissen aus dem Langzeitgedächtnis.

Das ist übrigens auch der Grund dafür, dass wir umso leichter lernen, je mehr wir wissen. Denn: Viel abgespeichertes Wissen führt zu vielen Assoziationsmöglichkeiten. Wenn man zum Beispiel in dem PIN-Code 9871 die Jahreszahl der französischen Revolution (rückwärts gelesen) erkennt, dann ist das eine gelungene Assoziation mit einem historischen Datum.

Norddeutsche Gedächtnismeisterschaft 2009 in Magdeburg

31. Oktober 2008

Die nächste Norddeutsche Gedächtnismeisterschaft wird am 21.& 22.März 2009 in Magdeburg stattfinden.
Wie in den Jahren zuvor gibt es ein Rahmenprogramm für interessierte Zuschauer, am Samstagabend.
Für die Teilnehmer wird es bei den Kindern & Junioren am Samstag und bei den Erwachsenen am Sonntag spannend.

Es ist noch lange hin, also es können auch noch “Anfänger” üben und teilnhemen!
Startberechtigt sind jeder, der in einem der folgenden Bundesländer wohnt: Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg- Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt.

Bei Fragen schreiben Sie mir einfach eine Mail oder melden sich hier an.

Andi Bell

30. Oktober 2008

Andi Bell list Engländer

3 facher Gedächtnisweltmeister

1998 - Weltmeister
2002 - Weltmeister
2003 - Weltmeister

Rekorde
Memorieren eines gut-gemischten Kartenstapels mit 52 Blatt in 31,16 Sekunden
Memorieren von 1197 Karten (23 Decks und eine Karte) in einer Stunde
Memorieren von 50 fiktiven historischen Daten in fünf Minuten
Memorieren von 396 Ziffern in fünf Minuten

Dominic O’Brien

30. Oktober 2008

Dominic O’Brien (geb. 1957) ist achtfacher Gedächtnisweltmeister und Autor mehrerer Bücher zum Thema Mnemotechnik und Gedächtnissport. Am 4. November 1989 trat er bei Wetten, dass..? live aus Basel auf, wo er sich die Reihenfolge von sechs gemischten Kartenstapeln merkte und damit Wettkönig wurde.

Gedächtnisrekorde
Am 30. April 1988 stellte er schließlich seinen ersten Weltrekord auf mit dem Memorieren sechs untereinander vermischter Kartenstapel zu je 52 Blatt. 1990 waren es dann schon 35 Kartenspiele (1820 Karten), 1993 bereits 40 und 2002 schlug er alle Rekorde mit 54 Kartenspielen, d.h. er konnte bei diesem Wettbewerb die Reihenfolge von 2808 Spielkarten fast fehlerlos wiedergeben.

Als im Jahre 1991 die Gedächtnisweltmeisterschaften von Tony Buzan ins Leben gerufen wurden, war er auch einer der wenigen Teilnehmer und gewann prompt die Meisterschaften. Außer im Jahre 1994, in dem Jonathan Hancock gewann, und 1998, als er aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen konnte, gewann er bis 2001 immer die Weltmeisterschaften, also insgesamt achtmal. O’Brien hat sich inzwischen aus dem Gedächtnissport zurückgezogen.

Aufgrund seiner großen Erfolge im Gedächtnissport und seiner Verdienste um seine Verbreitung wurde ihm 2005 der Titel GMM, Grand Master of Memory, verliehen.

Erfolge bei den World Memory Championship - Gedächtnisweltmeisterschaften:
1991 - Weltmeister
1993 - Weltmeister
1994 - Vize-Weltmeister
1995 - Weltmeister
1996 - Weltmeister
1997 - Weltmeister
1999 - Weltmeister
2000 - Weltmeister
2001 - Weltmeister
2002 - Vize-Weltmeister
2003 - 6. Platz

Gedächtnissport

29. Oktober 2008

Warum gibt es überhaupt Gedächtnissport?
Reicht es nicht, einfach das Gedächtnis zu trainieren? Ebenso ließe sich fragen: Warum gibt es überhaupt Sport-Meisterschaften zum Beispiel für Fußball, Schwimmen, Reiten? Wie in anderen Sportarten werden auch im Gedächtnis-Wettbewerbe in verschiedenen Disziplinen ausgetragen. Dabei sind die Deutschen eine führende Nation im Gedächtnissport.
Hier ein Überblick.

  • Namensgedächtnis
    In dieser Disziplin geht es darum, sich möglichst viele Namen und die dazugehörigen Gesichert zu merken. Eine sehr alltagstaugliche Übung. Mehr
  • Zahlengedächtnis
    Die meisten Menschen parken ihr Zahlengedächtnis in Handys, Palmpads oder sonstigen elektronischen Speichern. Die Gedächtnissportler parken die Zahlen einfach im Kopf. Mehr
  • Stichpunkte merken
    Eine Rede zu halten, ohne sie abzulesen, ist schwer genug. Eine Rede zu halten nur anhand von Stichworten auf einem Spickzettel erfordert immer noch den ständigen Blick aufs Papier. Im Gedächtnissport werdenb die Stichpunkte für die freie Rede in einem „mentalen Spickzettel“ gespeichert. Mehr
  • Spielkarten merken
    Ob Skat, Rommé, BlackJack oder Poker: Der Traum eines jeden Spielers ist es, sich die gespielten Karten zu merken. Mit Mnemotechniken geht das kinderleicht. Mehr
  • Telefonnummern merken
    Telefonnummern werden meist schnell gesprochen - und schnell vergessen. Im Gedächtnissport gibt es die Disziplin „Auditive Zahlen“ - und hier darf die Telefonnummer sogar 100 Ziffern lang sein. Mehr
  • Daten merken
    Im Geschichtsunterricht sind es die berühmten Schlachten, im Freundeskreis sind es die Geburtstage und Jubiläen, im Büro sind es die Termine und, und, und. Und im Gedächtnissport ist es ein Spiel, sich solche daten zu merken. Mehr
  • Binärzahlen
    Binärzahlen sind eigentlich der Job eines Computers. Im Gedächtnissport sind sie das Material für effiziente Konzentrationsübungen. Mehr
  • Abstract Images
    Das ist die „wildeste“ Disziplin im Gedächtnissport. Abstract Images fördert und fordert die Kreativität und die Phantasie.Mehr

Gedächtnissport Meisterschaften

Die erste Gedächtnis-Weltmeisterschaft, die World Memory Championship, wurde 1991 ausgetragen. Organisiert werden diese Events bis heute von Tony Buzan. 1997 wurde die erste Deutsche Gedächtnis-Meisterschaft ausgetragen. Seit 2003 gibt es regionale Gedächtnis-Meisterschaften in Nord- und Süddeutschland. Alle Meisterschaften finden jährlich statt.

Die Weltmeisterschaften und Deutschen Meisterschaften werden in einem Zehnkampf ausgetragen, der über mehrere Tage verteilt stattfindet.

Die regionale Meisterschaften, Nord- und Süddeutschland, werden in einem Siebenkampf ausgetragen, an einem Tag.

Die Dauer einzelner Disziplinen variiert etwas, je nach Meisterschaft. Als Beispiel gibt es bei der WM 60 Minuten Zahlen, bei der DM 30 Minuten und bei der Regionalen 5 Minuten. Also eine Abstufung um den Einstieg in diesen faszinierenden Sport zu erleichtern.

Dorothea ist Weltmeisterin im Merken

27. Oktober 2008

Erfolge für deutsche Gedächtnissportler aus den neuen Bundesländern bei Weltmeisterschaften in Bahrain: Die Deutsche Jugendmeisterin Dorothea Seitz (15) aus Torgelow wurde Weltmeisterin der Junioren (13 bis 18 Jahre). In zehn Disziplinen traten die Gegner an. Es ging um Zahlen, Wörter, ganze Texte, Spielkarten und Gesichter.

In den letzten Tagen vor der Weltmeisterschaft hatte sie fast nur noch geübt - so wie vor jedem Wettkampf. Im Frühjahr hat sie sich den Pokal bei der Norddeutschen Gedächtnismeisterschaft gesichert. 2007 war sie Vierte bei den “Memo-Meisterschaften” geworden.

Der deutsche Kindermeister Konstantin Skudler aus Berlin holte den Titel in der Kinderkategorie. Der Neunjährige aus der Hauptstadt lernte.

Der deutsche Kindermeister Konstantin Skudler aus Berlin holte den Titel in der Kinderkategorie. Der Neunjährige aus der Hauptstadt lernte beispielsweise innerhalb einer halben Stunde 513 Binärzahlen (Einsen und Nullen) in der richtigen Reihenfolge auswendig.

Bei den Erwachsenen musste sich der amtierende Weltmeister Gunter Karsten aus Erfurt im Zehnkampf diesmal dem Briten Ben Pridmore geschlagen geben.

Quelle: Schweriner Volkszeitung

Gedächtnisweltmeisterschaft 2008 in Bahrain

26. Oktober 2008

Zum vierten Mal in Folge ist Deutschland Teamweltmeister bei der Gedächtnis-Weltmeisterschaft. Die 17. Gedächtnis-WM in Bahrain ging für das deutsche Team erfolgreich zu Ende. Neuer Weltmeister ist zwar Ben Pridmore aus Derby/UK. Doch auf Platz zwei und drei folgen der Titelverteidiger Dr. Gunther Karsten aus Erfurt und der amtierende deutsche Meister Johannes Mallow aus Magdeburg. Die Plazierungen im Einzelnen:

1. Ben Pridmore/UK
2. Dr. Gunther Karsten/GER
3. Johannes Mallow/GER
4. Guo Chuanwei/CHN
5. Andi Bell/UK
6. Boris Konrad/GER

Damit ist Deutschland Weltmeister in der Nationenwertung (d.h. die ersten drei Athleten eines Landes).
Auch der deutsche Nachwuchs lieferte herausragende Ergebnisse. So ist die deutsche Jugendmeisterin Dorothea Seitz nun auch Juniorenweltmeisterin. Bei den Kindern hatte der erst 9-jährige Konstantin Skudler aus Berlin das beste Ergebnis.
An neuen Weltrekorden mangelte es dabei am persischen Golf nicht, es wurden fünf neue Weltbestleistungen - allesamt vom deutschen Team - erbracht:

- abstrakte Bilder: 276 Dr. Gunther Karsten (alt: 244 Dr. Gunther Karsten)
- Wörterlauf (15 min): 255 Boris Konrad (alt: 227 Boris Konrad)
- gesprochene Zahlen (1 sec): 202 Dr. Gunther Karsten (alt: 188 Clemens Mayer)
- Zahlensprint (5 min): 405 Johannes Mallow (alt: 396 Andi Bell)
- Historische Daten (5 min): 110,5 Johannes Mallow (alt: 99 Johannes Mallow)

Wir gratulieren allen Teilnehmern und besonders unserem Team für diese herausragenden Leistungen.

Mit Memory-Effekt zum Superhirn

26. Oktober 2008

Bereits ab dem 25. Lebensjahr baut das Gehirn ab – aber was tun gegen die zunehmende Vergesslichkeit? Hirnjogging mit Hilfe von Kreuzworträtseln oder Sudoku ist gut. Doch der profane Kaffeeklatsch oder auch das gute alte Memory-Spiel sind das beste Training für das Gehirn, sagen Experten.

Wie war noch gleich Ihr Name?“ Wo liegt meine Brille? Und wann war der Geburtstag vom Schwager? Ab dem 25. Lebensjahr schlägt die Vergesslichkeit zu. Das Gehirn baut langsam ab, Synapse für Synapse, Zelle für Zelle. Ein natürlicher Prozess, der Schuld ist an vielen Unsicherheiten, peinlichen Versprechern und verschusselten Schlüsseln. Der physiologische Sinn dahinter ist – außer dass die Hirnzellen irgendwann erschöpft sind –, dass ein Gehirn sich einfach nicht unendlich viel merken kann. Und leider kann niemand das Vergessen, sei es normal oder, wie bei Demenz, krankhaft beschleunigt, stoppen.

Bremsen allerdings schon. „Man muss die richtigen Methoden anwenden“, sagt Professor Henning Scheich, Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg. Und eine richtige Methode ist, wie Studien zeigen, nicht das exzessive Knobeln über Zahlen- oder Kreuzworträtseln. „Dass das nicht so viel bringt, erklärt sich ganz einfach durch die Funktions- und Speicherart des Gehirns“, sagt der Neurologe.
Wie das Gehirn Informationen speichert, lässt sich am Beispiel von Zahlenreihen erklären. Viele Menschen können sich solche abstrakten Zeichen nur schwer merken. „Wenn sie sich aber ein System aufbauen, bei dem sie beispielsweise bestimmte Orte in ihrer Stadt mit Ziffern belegen, den Dom mit der Eins, den Bahnhof mit der Zwei und den Volkspark mit der Drei, dann hilft das beim Merken der Zahlen“, erklärt Scheich. Wer sich die Zahlenreihe 312 merken will, muss sich einfach einen Spaziergang vom Park über den Dom zum Bahnhof vorstellen. „Mit solchen Methoden merken sich Teilnehmer von Gedächtnisolympiaden innerhalb von zwei bis drei Minuten Reihen von über 40 Ziffern“, sagt Scheich. Das funktioniert deshalb so gut, weil die Zahlen durch die Verknüpfung mit Orten nicht länger abstrakte Zeichen sind. Sie werden vielmehr mit Bildern und Emotionen verbunden – und emotionalen Input mag das Gehirn. Dinge, die wir mit etwas Persönlichem verbinden, speichern wir besser. „Deshalb funktioniert das biografische Gedächtnis auch so gut“, sagt Scheich.
Das Gedächtnis baut sich aus Superkurzzeit-, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis auf. Alle Eindrücke werden innerhalb von Millisekunden von den Sinnesorganen ins Gehirn geleitet. Ein kurzes Aufflackern der Neurone, ein paar Impulse im Nervenzellennetzwerk – und schon sind die meisten wieder verschwunden. Eindrücke hingegen, die mit Gefühlen, Gerüchen oder anderen Emotionen kombiniert aufgenommen werden, haben eine Chance, über das Kurzzeit- sogar ins Langzeitgedächtnis gespeichert zu werden. „Sinnvollerweise funktioniert das nicht nur bei Freude und Begeisterung, sondern besonders bei Gefühlen wie Angst oder Schmerz“, sagt Henning Scheich. „Ein gebranntes Kind meidet das Feuer, heißt es ja auch so schön.“
Eine Hypothese dazu, wie das Gedächtnis genau aufgebaut wird, besagt, dass nicht an einer bestimmten Stelle beispielsweise eine Vokabel gespeichert wird, sondern immer an mehreren Stellen gleichzeitig. „Sehr basale Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens immer wieder gemacht haben, sind offenbar so umfassend gespeichert, dass sie kaum mehr zu löschen sind“, sagt Scheich. Deshalb sei das regelmäßige Wiederholen von Lerninhalten, wenn auch lästig, doch notwendig. Die Umbauprozesse, die an den Synapsen der Nervenzellen ablaufen und das Langzeitgedächtnis bilden, dauern offenbar mehrere Tage. „Wiederholt man das Gelernte in dieser Zeit, kann man den Umbau intensivieren“, sagt Scheich. „Deshalb ist Üben und Wiederholen für den Aufbau des Gedächtnisses von großer Bedeutung.“
Mit Emotionen besser speichern
Dass emotionale Eindrücke besser gespeichert werden, liegt daran, dass die emotionalen Systeme des Gehirns die Umbauprozesse an den Synapsen gezielt verstärken. Auch wenn Neurobiologen und Psychologen noch längst nicht entschlüsselt haben, wie der Speicherprozess im Detail funktioniert, helfen diese Erkenntnisse doch, schlechte von guten Strategien gegen das Vergessen zu unterscheiden.
Generell gilt: Alles, was mit Emotionen verknüpft ist, wird besser gespeichert. Entsprechend bringen Trainingsprogramme, die immer gleich ablaufen, seien es Computerspiele oder Kreuzworträtsel, weniger für die Hirnfitness als ein Treffen mit Freunden oder eine Diskussionsrunde unter Kollegen. „Es ist wichtig, dass man nicht in standardisierte Abläufe hineingerät“, sagt Professor Wolfgang H. Jost von der Deutschen Parkinson Gesellschaft. Von Parkinsonpatienten weiß er, dass auch, wer schon vergesslich ist, trotzdem sein Gehirn noch trainieren kann. „Selbst bei schweren Demenzen können noch immer Synapsen im Gehirn gebildet werden“, sagt der Neurologe.

Mit diesen Verbindungsstellen bilden die Gehirnzellen immer neue, weitverzweigte Netze. Wer sein Gehirn aber mit immer ähnlichen Aufgaben konfrontiert, baut kein weitverzweigtes Netz auf, sondern nur wenige Straßen. „Das beste Training für das Gehirn ist Kommunikation“, sagt Jost. „Wer mit anderen Menschen viel redet, bekommt ständig eine Fülle von Eindrücken, die emotional aufgeladen sind und damit besser gespeichert werden können.“ Der Kaffeeklatsch, eine Diskussionsrunde oder auch das gute alte Memory-Spiel mit Freunden sind das beste Training für das Gehirn.

Zudem sind diese emotional gelernten Inhalte leichter wieder abrufbar. Bei Demenzkranken ist häufig zunächst das Kurzzeitgedächtnis gestört. An länger zurückliegende Erlebnisse können sie sich oft noch erinnern. Ist eine Demenz fortgeschritten, so können die Erinnerungen, auf die die Patienten immer seltener zugreifen können, durch emotionales Erleben geweckt werden: Der Duft von Rosen kann die Erinnerung an den längst vergessenen Hochzeitsstrauß plötzlich wieder wach werden lassen. Das Prinzip des emotional und sensorisch aufgeladenen Lernens und Erinnerns funktioniert. Um etwas richtig zu lernen, müssen wir es auch begreifen. „Wer dabei ein Aha-Erlebnis hat, stimuliert damit sein internes Belohnungssystem“, sagt der Gedächtnisexperte Henning Scheich.

Quelle: Berliner Morgenpost

Merkwürdiger Sport

23. Oktober 2008

Andere ziehen ihre Laufschuhe an, Dorothea Seitz setzt ihren Gehörschutz auf für eine bessere Konzentration. Sie betreibt Gehirnjogging. Das ist der merkwürdige Lieblingssport der 15-Jährigen aus Torgelow. Und den betreibt sie äußerst erfolgreich. Jetzt will sie bei der Gedächtnis-Weltmeisterschaft den Titel erringen und nach Hause tragen. Gestern hat sie den Flieger ins Königreich Bahrein im Persischen Golf bestiegen. Heute sitzt Doro mit jugendlichen und erwachsenen Gedächtnisakkrobaten aus der ganzen Welt zusammen. In zehn Disziplinen treten die Gegner an. Es geht um Zahlen, Wörter, ganze Texte, Spielkarten und Gesichter.

Doros Welt

Daraus besteht Doros Welt. In die taucht sie ein, wenn sie ihren Gehörschutz aufsetzt. Akustisch abgeschirmt wandelt sie hier Informationen in Bilder um. So wird eine “Karo 4″ schnell zur Karotte, gemeinsam mit der “Herz 3″, einem Hamburger, entsteht so eine Mahlzeit. In ihrer Fantasie ersinnt sich Doro eine Geschichte. Auf diese Weise prägt sie sich eine Kartenreihe ein. Immer mit dem Blick auf die Stoppuhr neben ihr auf dem Tisch. Ihr Anker zur Realität, der Doro anzeigt, wie lange sie trainieren darf.

Für ihr Gedächtnistraining benutzt sie auch reale Orte aus ihrer Umgebung und baut sie in ihre Gedankenwelt ein. Routentechnik nennt sie das. Dazu ordnet sie ihr vertrauten Orten Begriffe zu. Treffpunkte mit Freunden und Lieblingsplätze verknüpft sie zu einer Erinnerungsroute. Im Geist schreitet sie die in einer bestimmten Reihenfolge ab. 970 Plätze sind in ihrer Fantasie mit Gegenständen und Worten verbunden. Diese Gedächtnis-Inseln werden ihr im Staat Bahrein eventuell zum WM-Titel verhelfen.

Superhirn?

Angefangen hat alles vor knapp zwei Jahren. Zum 14. Geburtstag lag ein Buch über Gedächtnissport auf Doros Gabentisch. Das habe sie verschlungen, sagt sie. Gehirnakrobatik wurde schnell zu ihrem Hobby. Wenn andere ihre Muskeln stärken, trainiert Doro ihren Kopf. Viele können damit nichts anfangen, sagt sie, auch ihre Eltern stehen vor einem Rätsel. Doro kann sich selbst nicht erklären, was in ihrem Kopf abgeht. Warum ausgerechnet sie sich so viel merken kann. Viele hielten sie für eine Streberin, für ein Superhirn. Aber so sieht sie sich nicht. Eigentlich könne das jeder, sagt sie. Und jeder profitiere davon. Klar, trainieren muss man das.

In den letzten Tagen vor der Weltmeisterschaft hat sie fast nur noch geübt - so wie vor jedem Wettkampf. Im Frühjahr hat sie sich den Pokal bei der Norddeutschen Gedächtnismeisterschaft gesichert. 2007 war sie Vierte bei den “Memo-Meisterschaften” geworden.

Gedächtnis-Zentrum

Dabei ist Doro eigentlich eine fast normale 15-Jährige. Sie besucht die zehnte Klasse des Internatsgymnasiums Torgelow. Die Schule im Müritzkreis ist bekannt für ihre Gedächtnissportler. Schon vor zwei Jahr war Katharina Bunk, ebenfalls Schülerin in Torgelow, zum zweiten Mal die Norddeutsche Juniorenmeisterin geworden. Sie gehört zu den besten 20 der ewigen Weltrangliste und hatte sich 2005 den Weltmeistertitel in London gesichert.

Quelle: Nordeutsche Neue Nachrichten

Johannes Mallow reist als einer der Favoriten nach Bahrain

22. Oktober 2008

RATHENOW - Johannes Mallow wird am kommenden Wochenende schwer ins Grübeln kommen. Und das nicht, weil der Doktorand an der Universität Magdeburg (Fachrichtung Kommunikationstechnik) irgendwelche fachspezifischen Probleme an seiner Hochschule zu lösen hätte. Die grauen Zellen des 28-Jährigen geraten in Bewegung, weil er an der Weltmeisterschaft der Gedächtnissportler teilnimmt.

Heute fliegt Johannes Mallow von Frankfurt/Main los. Der Donnerstag im Wüstenstaat dient der Akklimatisierung. Am Freitag starten die Wettkämpfe. Bis Sonntagmittag wird Mallow in insgesamt zehn Disziplinen sein Bestes geben.

Bei dem geistigen Zehnkampf geht es um Merkfähigkeit. Ziffern, Spielkarten und fiktive Ereignisse müssen verinnerlicht werden. Manchmal haben die Wettkämpfer fünf Minuten Zeit, sich die Dinge zu merken, manchmal werden ihnen 30 Minuten gewährt. Danach muss das Verinnerlichte fehlerfrei wiedergegeben werden.

Johannes Mallow, der seit rund fünf Jahren intensiv Gedächtnissport betreibt, hat es in dieser Zeit zu einigem Ruhm gebracht. In Tuttlingen gewann er in diesem Sommer die Deutsche Meisterschaft, bei den Weltmeisterschaften in Bahrein wurde er im vergangenen Jahr Sechster. Außerdem gelang ihm dort in der Teildisziplin „Historische Daten“ ein fulminanter Weltrekord. Nach fünf Minuten Merkzeit hatte Mallow von 110 fiktiven Ereignissen 99 richtig wiedergegeben. Das war zuvor noch niemandem gelungen.

In Tuttlingen stellte er im „Zahlenmarathon“ eine neue persönliche Bestleistung auf, indem er nach 30 Minuten Merkzeit sage und schreibe 1046 Ziffern hintereinander weg rezitierte. Es sind vor allen Dingen die „Marathon“-Disziplinen mit 30 Minuten Merkzeit, in denen der Rathenower sich in den vergangenen zwei Jahren enorm verbessert hat. Im „Sprint“, bei dem es nur fünf Minuten Merkzeit gibt, war er schon vorher sehr gut.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Mallow als einer der Favoriten nach Bahrain reist. In der aktuellen Weltrangliste der Gedächtnissportler wird er derzeit auf Rang 4 geführt. Er selber geht selbstbewusst in das Turnier. „Von Platz 1 bis Platz5 ist alles möglich“, sagt er. Es hänge stark von der Tagesform ab, was am Ende herauskomme. Und von der Konkurrenz. Vor allem die Chinesen seien sehr schwer einzuschätzen.

Landet Mallow ganz vorne, dann kann sich das auch finanziell lohnen. Im vergangenen Jahr heimste der Gewinner 10000 Dollar ein, Johannes Mallow bekam für seinen sechsten Platz 1000 Dollar. Angesichts der Tatsache, dass Mallow die Reisekosten aus eigener Tasche bestreiten muss, relativieren sich diese Summen allerdings.

Von Markus Kniebeler

Quelle: Märkische Allgeimeine

Ankündigung der Gedächtnis-Weltmeisterschaft 2008 in Bahrain

18. Oktober 2008

Die erste Gedächtnisweltmeisterschaft fand 1990 in London statt. Bis 2003 blieb die WMC auch in London und wanderte 2003 nach Kuala Lumpur, Malaysia. England war dann 2004 mit Manchester, 2005 mit Oxford und 2006 London wieder Ausrichter der Gedächtnisweltmeisterschaft. Das Interesse am Gedächtnissport stieg nicht nur in Europa, sondern weltweit. Die Ausrichtung in Bahrain ist ein Beleg dafür. Die Teilnehmer kommen nicht nur aus Europa, sondern werden internationaler. Mit China, Indien und Japan kommen nun mehrere Gedächtnissportler aus Asien. Es werden damit wirkliche “Weltmeisterschaften” und nicht mehr nur 3 Länderkämpfe. Die drei stärksten Nationen waren immer England, Deutschland und Österreich. Die Konkurrenz wird in den nächsten Jahren sicher sprunghaft steigen.

Erst im Jahre 2005 gelang es den deutschen Gedächtnissportlern, die Serie der englischen Siege zu beenden. Clemens Meyer wurde 2005 und 2006 Gedächtnisweltmeister. In beiden Jahren gelang es auch Deutschland, die Nationenwertung zu gewinnen. Ein Team besteht dabei aus den jeweils besten 3 Sportlern aus jedem teilnehmenden Land. 2005 und 2006 waren die drei besten deutschen Sportler: Clemens Mayer, Dr. Gunther Karsten und Boris Konrad. Die Weltmeisterschaften werden in 10 verschiedenen Disziplinen ausgetragen, ähnlich wie beim Zehnkampf in der Leichtathletik.

Es werden bestimmt sehr spannende Wettkämpfe, die vom 31. August - 2. September 2007 im Crowne Plaza Hotel in Manama, Bahrain stattfinden. Die Gedächtniskünstler werden sich messen und die Chancen, die Titel zu verteidigen, stehen gut. Gunther Karsten reist als Weltranglisten-Erster nach Bahrain. Er stellte einen neuen Punkterekord bei der Deutschen Gedächtnismeisterschaft in Tuttlingen auf. Die anderen deutschen Gedächtnissportler präsentierten sich bei der deutschen Gedächtnismeisterschaft auch in sehr guter Form. Es werden 6 Deutsche Gedächtniskünstler, alle vom Verein MemoryXL, nach Bahrain fliegen und um die Preisgelder von insgesamt 30.000 US-Dollar kämpfen.

Neurologen des Berliner Großklinikums Charité

4. Oktober 2008

Die Neurologie ist die Lehre von den Erkrankungen des Nervensystems - also Gehirn und Rückenmark sowie das periphere Nervensystem einschließlich aller Verbindungsstrukturen. Neurologen sind also Experten. wenn es um das Gehirn geht. Umso mehr sehe ich es als Anerkennung und Bestätigung für den Wert von Gedächtnistraining, dass ein Team der Charité mich im Oktober 2008 für ein Tagesseminar gebucht hat.