Ass oder Dame - die Karten im Kopf

18. August 2005

Der Hattinger Boris Konrad nimmt an der Gedächtnis-WM in Oxford teil. Er ist ein Jongleur der Daten. Das “Superhirn” glänzte schon bei “Wetten, dass . . .” Schon mal in knapp 30 Sekunden die richtige Reihenfolge eines Kartenspiels mit 52 Blatt gemerkt? Nein? Unmöglich? Falsch! Der Hattinger Boris Konrad kann es- und deshalb nimmt er an diesem Wochenende an der Gedächtnis-Weltmeisterschaft in Oxford teil. Einen Zehnkampf wird der 21-Jährige bewältigen müssen. Zum Beispiel die Disziplin “Historische Daten”, in der er sich binnen fünf Minuten so viele fiktive Geschichtsdaten (Jahreszahlen und Ereignisse) wie möglich merken muss.

Oder die Disziplin “Wörter” - hier geht es darum, sich in einer Viertelstunde Wörter einzuprägen, die in keinerlei Zusammenhang stehen. In beiden Kategorien schnitt Konrad beider Deutschen Gedächtnis-Meisterschaften Darmstadt am besten ab. Insgesamt wurde er Dritter. Nur. Denn vor allem in seiner Lieblings-Disziplin, “Kartenspiel”, klappte es überhaupt nicht.Vor drei Jahren hat Boris Konrad den Gedächtnissport im Fernsehen entdeckt. “Danach habe ich mir alles mit Büchern selbst beigebracht.” Kurz vor dem Abitur war das, heute studiert er Physik und Informatik.

Hilft ihm die Technik also auch bei Prüfungen? “Gar nicht. Die Technik ist ja, sich etwas auf einem gewissen Weg einzuprägen. Und wenn man diesen Weg in einer Prüfung drei Minuten entlanggeht, sagt der Professor:Ihr Weg ist aus der Tür raus.” In Oxford will er seinen Weg wieder gehen, bei der 17. WM. Titelchancen? “Na, wenn man weiß, dass bisher immer Engländer gewonnen haben, glaubt man eher nicht daran.” Zumal auch die Konkurrenz aus Deutschland, dem teilnehmerstärksten Land, sehr groß ist.

Auf der Insel wurde der Gedächtnissport vor 20 Jahren erfunden, hier trifft sich die Elite Jahr für Jahr wieder. Mal in London, mal in Manchester, jetzt in der Universitätsstadt Oxford. Ein historischer Rahmen, in dem manch einer nervös wird. Nicht Boris Konrad. “Ist ja kein Fernsehen dabei”, sagt er. Das war im März 2004 ganz anders - damals hatte er nämlich einen großen Auftritt bei “Wetten, dass . . .?”. Fast 16 Millionen Zuschauer staunten, wie sich das Superhirn an 50 Tischen merkte, in welcher Ordnung Menschen mit Mineralwasser, Orangensaft und Rotwein im Glas sowie Pommes, Bratwurst und einem halben Hähnchen auf dem Teller zusammensaßen. 3000 Euro gewann er bei Gottschalk - so viel gibt es bei einer Weltmeisterschaft nicht.

Quelle: WAZ